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  Kunst und Kultur

 


Neue Bücher
Empfehlungen

 

 

Peter Heine
Märchen, Miniaturen, Minarette
 Eine Kulturgeschichte der islamischen Welt 
Primus verlag, 2011

Egon Schiele: Melancholie und Provokation
Hrsg. E. und D. Leopold

Brandstätter Verlag, 2011

 

German Fashion Design 1946-2012
Nadine Barth
Sprache: Englisch

Distanz-Verlag

Das jüdische Budapest
Péter Nádas (Autor),
Anton Thuswaldner (Autor), Monika Lirk (Fotograf),
Bruno Bourel (Fotograf)

Verlag Jung und Jung


 
Urzeichen:
 
Filzteppiche der Turkmenen, ihre kultisch-magische Bedeutung
Razi Hejazian

Schiler Verlag

 




Karl Bodmer -
Maler der amerikanischen Urvölker:
A Swiss Artist in America
1809-1893
Herausgeber:
 Hartwig Isernhagen  

Scheidegger & Spiess

 

 

 
       

 

 

Helden Afrikas.
Ein neuer Blick auf die Kunst Afrikas

Herausgegeben von Alisa LaGamma
Museum Rietberg Zürich, Scheidegger und Spiess, 2012


Wie der Titel andeutet, möchte sich der neue Blick auf die Kunst Afrikas von der gewohnten, eurozentrisch und kolonial geprägten Sichtweise auf den afrikanischen Kontinent lösen. Zur Veranschaulichung sind dem begeisternden Skulpturenprogramm aus acht verschiedenen Kulturräumen, die sich auf sechs Staatsgebiete West- und Zentralafrikas verteilen, Fotografien aus der zweiten Hälfte des 19. und aus dem 20. Jahrhundert an die Seite gestellt worden, die in Komposition und Motivwahl die Erwartungshaltung der Fotografen deutlich werden lassen.
Der Katalog präsentiert Statuen und Büsten von Königen und Fürsten, von Menschen außerordentlichen Ansehens, in deren Konterfeis sowohl die persönlichen Züge der Porträtierten wie das ästhetische Ideal der jeweiligen Kultur eingearbeitet sind.
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Sergej Chilikov
Ausgewählte Werke 1978 –

Die bunt und lebendig, manchmal übervoll eingerichteten Dorf- und Strandszenen, die Stadt- und Wohnräume sind eigenartig komponiert. Der Aufbau ist gestellt, bewusst künstlich, oft schrill. Bedeutungen der Aufnahmen, die sich auf den ersten Blick einstellen wollen, wie ländliches Idyll, sexuelle Arrangements, Arbeits- oder Alltagsszenen, werden durch die Anordnung oder den Ausdruck der sie bevölkernden Dinge und Personen unterlaufen.
Die Fotos verweigern sich dem allgemeinen Sprachgebrauch, bzw. dem allgemeinen Bildgebrauch und folgen, wie der Begleittext ausführt, einer aus der russischen Literatur übernommenen, transrationalen Sprache.
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    Rudolf Finsterwalder (Hg.):
Form follows Nature.
Eine Geschichte der Natur als Modell für Formfindung
in Ingenieurbau, Architektur und Kunst

Deutsch /Englisch

Naturschöpfungen, wie die menschliche Hand, sind nach dem amerikanischen Architekten Buckminster Fuller technologische Höhepunkte, die menschliche Gestaltung nicht übertreffen, aber denen, und das muss ihr Bemühen sein, sie möglichst nahe kommen kann. Der Gedanke, dass Technik nichts Menschen gemachtes sein muss, und sich technische Lösungen in der Natur beobachten lassen, ist an sich nicht neu. Albrecht Dürers Satz „Denn wahrhaftig steckt die Kunst in der Natur, wer sie heraus kann reißen, der hat sie“ erinnert daran und mehr noch die delikaten, täglich wahrnehmbaren Naturdinge wie Eier, Bienenwaben, Vogelnester, Termitenbauten oder Spinnennetze, allesamt Konstruktionen, die mit ihren genialen Zweck-Mittel-Relationen den Geist des Architekten und Künstlers herausfordern.
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Bild-Performanz
Herausgegeben von Ludger Schwarte


In der vorliegenden Sammlung aus 16 Beiträgen verschiedener Autoren wird eine Bildtheorie angedacht, nach der dem Bild die Fähigkeit des Handelns, der Performativität zugeschrieben und diskutiert wird. Zunächst ist man mit dem Widerspruch konfrontiert, der sich bei diesem Gedankenexperiment ergibt: das erstarrte Bild, dem ein visueller, materiell fixierter, aus dem Lauf der Zeit genommener Eindruck zugrunde liegt, in eine Theorie des Prozesses, in eine Abfolge von Ereignissen und aktiver Einflussnahme zu integrieren.
Einen Vorläufer findet diese Vorstellung in der Theorie der Performativität von Sprache in der Schwesterwissenschaft Linguistik.
Die These der Philologin Judith Butler, versetzt zum Beispiel Sprache von dem passiven Instrument der Kommunikation und des Versuchs des Menschen, Wirklichkeit zu fassen, in die Position einer aktiven Einflussnahme auf die Wirklichkeit. Sprache schafft in ritualisierter Form, in Sprechakten Wirklichkeiten eines normierenden Diskurses.
Folgt man nun Wittgenstein, so ist es im Unterschied zum sprachlichen Akt des „Sagens“, das „Zeigen“ oder „sich Zeigen“ der Akt des Bildes, das als Abstraktum zum Inbegriff des Instruments der Erkenntnistheorie aufgewertet wird.
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Josef Koudelka
Roma

Selten ein Lächeln, spielende Kinder, die nackten Betonwände ärmlicher Wohnungen, Heiligenbildchen, verliebte Pärchen, Musiker und ihre Instrumente, Hunde, Pferde: Innenansichten aus der Welt der Roma, der mit 12 Millionen Menschen größten und am meisten marginalisierten Minderheit Europas.
Die streng und zugleich liebevoll komponierten schwarz-weiß Fotos bilden die allgegenwärtige Armut und Not ab. Rauchende Kinder, die mit Messern oder Pistolen spielen, bezeugen die Härte und Gewalt der Lebensumstände der Roma in der damaligen Tschechoslowakei, wo der größte Teil der Aufnahmen zwischen 1962 und 1971 entstand. Abschreckung und Faszination liegen nah beieinander. Die Portraits lassen bewegte Biographien erahnen.
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Ferdinand Hodler - Landschaften
Herausgegeben von Tobia Bezzola,
Paul Lang und Paul Müller

„Das ewige Element der Natur auszudrücken – die Schönheit; daraus die wesentliche Schönheit zu befreien“ – Ferdinand Hodlers (1853-1918) Landschaften sind Ausdruck eines tiefen Sendungsbewusstseins. Er bildet Landschaft nicht einfach ab, sondern folgt darin Paul Klee, der feststellte, dass Kunst nicht das Sichtbare wiedergäbe, sondern sichtbar mache. In einem Transformationsprozess arbeitet Hodler aus der Betrachtung der unendlich komplexen Natur in künstlerischer Reduktion „ Hodler-Landschaften“ heraus.
Die Herausgeber haben die 70 abgebildeten Gemälde chronologisch und thematisch geordnet, so lässt sich der Bildband mit den Einführungen und Kommentaren von verschiedenen Autoren wie ein Essay zur Entwicklung und Reifung des Ausnahmekünstlers lesen.

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    Eva Cancik-Kirschbaum, Margarete van Ess
und Joachim Marzahn (Hrsg.)
Babylon - Wissenskultur
in Orient und Okzident

Der Aufruf des Aristoteles, man solle keine Mühe oder Unkosten scheuen um das Wissen alter, barbarischer, auch östlicher Kulturen zu erforschen und es in die eigene Wissensproduktion einbeziehen, findet sein Echo in der jüdischen Tradition, die in der Schriftkultur Babylons die Mutter der eigenen Gelehrsamkeit verortet. Ebenso bezeugen das zwar vorwiegend negative und theologisch überspitzte Bild Babylons, wie es im Christentum tradiert wird, oder der weit in die islamische Zeit hineinreichende Kult der Sabäer, die den babylonischen Mondgott Sin verehrten, die Kontinuität der babylonischen Kultur und den hohen Rang und wissenschaftlichen Stellenwert, den Babylon als frühe Zivilisation bis heute hat.
Die politische Bedeutung Babylons und sein Aufstieg zur Hegemonialmacht erwächst auch aus seiner Fähigkeit, die politische und kulturelle Rolle von älteren, es umgebenden Reichen, wie dem der Sumerer, zu übernehmen und fortzuführen. In der Rezeption von Wissen, d.h. in seiner Kontinuität, Tradierung oder auch Veränderung.

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Henning Ritter
Notizhefte

Welchen Reichtum an Gedanken hätten wir, wenn jeder seine Lektüre ab dem Alter von 15 Jahren in Form von Notizen dokumentieren würde. Die Re-Lektüre dieser Mitschriften ließe den Wissensberg und die Befassung mit ihm ins Unendliche anwachsen. Dieses Bild entwirft Henning Ritter in seinem Buch und erinnert damit an die Metapher Walter Benjamins vom zurückweichenden Engel der Geschichte, der, den Rücken der Zukunft zugewandt, sich den unaufhörlich anwachsenden Trümmern der Vergangenheit gegenüber sieht oder an den Welt-Bibliothekar Jorge Luis Borges und seinen Kosmos sich kreuzender und sich aufeinander beziehender Kurzgeschichten.
Der langjährige Feuilletonschreiber der FAZ gibt einen Einblick in seine Arbeit, reflektiert sie und lässt sie so zum Kommentar ihrer selbst werden. Die fertig formulierten Versatzstücke zu Philosophie und Kultur bilden den Rohstoff für potentielle oder realisierte Beiträge. .... mehr

 

 

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Ruinen in der Moderne:
Archäologie und die Künste
Herausgegeben von Eva Kocziszky

Ruinen lösen den Widerspruch von vergangener und gegenwärtiger Zeit auf und führen sie in einem Moment sinnlicher Erfahrung zusammen. Sie sind die sichtbaren Boten des Vergangenen und eine Projektionsfläche des Gegenwärtigen. Als Botschafter der Vergangenheit künden sie von der Größe des antiken Griechenlands oder des alten Roms. Gleichzeitig sind sie Zeichen für etwas Vergessenes und Vergangenes.
Erst die Neuzeit holt die Ruine aus ihrer Vergessenheit hervor. Sie wird zum Gegenstand der Reflektion über Geschichte und zum Ort des melancholischen Nachsinnens über den Untergang einer idealisierten, antiken Welt. Die Ruine als Vergehendes an sich, als sinnliche Erfahrung von Vergangenheit, Gegenwart und von einer Vision in die endliche Zukunft, wird in der Moderne zur Spiegelfläche für die Selbstbetrachtung des Menschen.
Neunzehn Autoren gehen in dieser Aufsatzsammlung auf gut 400 Seiten der Frage nach, wie die Wissenschaft der Archäologie Bilder der Vergangenheit erschafft und ob sie darin nicht dem künstlerischen Prozeß gleicht, also Dichter, Maler und Archäologen voneinander lernen?.... mehr

 

 

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Bruno Taut
Japans Kunst – mit europäischen Augen gesehen

Herausgegeben von Manfred Speidel


Tauts Liebeserklärung an die japanische Kunst gilt der Flüssigkeit der Linien, der Leichtigkeit der Technik, die den Anschein von Improvisation vermittelt, bei gleichzeitiger Einhaltung eines absoluten und strengen Stils. Weiter erkennt der Autor in der Einbindung von Kunst als festem Bestandteil des Alltags eine Kulturleistung von internationaler Bedeutung. Seine daraus abgeleitete Forderung: Kunst darf nicht mehr eine gesellschaftliche Randerscheinung sein, die lediglich dem Bildungsanspruch und der kulturellen Propaganda der gehobenen Gesellschaftsschichten dient.
Bruno Taut (1880-1938) war im Berlin der 1920er Jahre ein erfolgreicher Architekt des „Neuen Bauens“. Genossenschaftliche Projekte, wie die von der UNESCO 2008 zum Weltkulturerbe erklärte Hufeisensiedlung in Berlin-Britz, sind Zeugnisse seines Schaffens. Einer Einladung des „Internationalen Architekturbundes Japans“ folgend, kam Taut 1933, von den Nationalsozialisten als „Kulturbolschewist“ gebranntmarkt, für drei Jahre nach Japan, in denen er weniger als Architekt, denn als Berater und Entwerfer alltäglicher Gebrauchsgegenstände Arbeit fand.
In sublimer Sprache und einem genauen Blick gibt er eine sehr individuelle Einführung in die japanische Kunstgeschichte und thematisiert die Spannung zwischen der Bewahrung der Tradition und der Weiterentwicklung zur Moderne durch die Übernahme westlicher Wertvorstellungen. .... mehr

 

 

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Eckhardt Köhn
Rolf Tietgens - Poet mit der Kamera

Fotografien 1934-1964

Der erste große fotografische Wurf gelang Rolf Tietgens, dem Spross einer großbürgerlichen Hamburger Händlerfamilie, passender Weise mit einem Bildband zum Hamburger Hafen. Die Fotos dokumentieren aus der Perspektive eines zufälligen Betrachters das Alltägliche, von der Löschung einer Ladung tropischer Hölzer, dem Treiben um die Hafenkneipen, bis zu Studien von Takelagen, Schiffsrümpfen, Hebekränen, Kutschen und Lastern. Die Einmaligkeit Hamburgs und gleichzeitig das fast archetypisch-wesenhafte des Hafens kommen zum Ausdruck. Paradoxer Weise erscheint der Band 1939, vier Monate nachdem Tietgens ins amerikanische Exil reiste.
Rolf Tietgens (1911-1984) gehörte einer Generation von jungen deutschen Künstlern an, die vor dem Nationalsozialismus flüchteten und deren künstlerische Arbeiten vielfach dem Vergessen anheim fielen. Es ist eine traurige Konstante in der Geschichte der Nachkriegszeit, dass gerade Opfer und Widersacher des NS-Regimes nach der erlittenen Verfolgung, die Demütigung der Ausgrenzung, Verdrängungen und Auslöschung aus dem kollektiven Gedächtnis erleiden mussten.  .... mehr
 

 

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    Man Ray Portraits
Paris-Hollywood-Paris


Herausgegeben von Clément Cheroux
Übersetzt von Matthias Wolf

Fasziniert von der europäischen Avantgarde, den Surrealisten und Dadaisten nahm Man Ray als junger ambitionierter Künstler seinen Weg von der Portraitmalerei zur Portraitfotografie. Sein oft bekundetes Interesse am menschlichen Gesicht findet sich in der Schenkung von 12304 Negativen, die 1994 und 1995 dem Musée national d´art moderne zu Teil wurde, bestätigt. Zwei Drittel der Aufnahmen aus einem halben Jahrhundert (1921-1976) sind Portraits von Berühmtheiten aus Literatur, Kunst und Gesellschaft.
Der Erfolg Man Rays erwuchs aus der Mundpropaganda. Befreundete Künstler, wie Marcel Duchamps machten ihn schnell in der Szene am Montparnasse bekannt und verhalfen ihm zu zahlreichen Aufträgen. Die Begeisterung seiner Kunden ermöglichte es Ray, Freunde unentgeltlich abzulichten und von zahlungskräftigen Kunden gigantische Preise für die einzelnen Portraits zu fordern.  .... mehr
 

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    René Burri
Brasilia

Herausgegeben von Arthur Rüegg

René Burri, der große Menschenfotograf, berühmt für seine Portraitaufnahmen, wie den Zigarre rauchenden Che Guevara, dokumentiert in diesem Fotoband die Entstehung Brasilias, der modernen Kunststadt par excellence. Das Bildmaterial reicht von den Anfängen des Bauprojektes, 1958, bis in die späten 1990er Jahre.
Als Verwirklichung eines Utopia wurde die vom Architekten Oscar Niemeyer geplante und realisierte Stadt gefeiert. Im Zentrum Brasiliens gelegen, im Dschungelgebiet weitab von den großen Metropolen des Landes, ist Brasilia ein gigantischer architektonischer und gesellschaftlicher Entwurf zugleich. Kritiker nannten den Präsidenten, der den Bau Brasilias gegen alle Widerstände durchsetzte „Pharao Kubitschek“, warfen ihm Größenwahn vor.
Burri war von dem Projekt beeindruckt. Anfangs nur für drei Wochen, auf der Suche nach einem Thema für eine große Fotoreportage gekommen, blieb der Fotograf ein halbes Jahr und kehrte immer wieder zurück. .... mehr
 

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    William Eggleston - Before Color

Erschienen im Steidl Verlag


Egglestons dunkle Schwarzweiß-Fotografien führen durch den Süden der USA der 50iger Jahre. Blättert man durch den Band mit den gut gesetzten Fotos, ist es als dringe man in ein tonlos tristes Road-Movie ein. Leere Highways, ein Cadillac bei dem nur einer der Scheinwerfer leuchtet, kahle, schäbige Motels, vereinzelte Menschen auf den Straßen, wie vor Kulissen platziert. An den Tankstellen mit ihren Schnell-Restaurants scheinen ausgerechnet Schriftzüge der Reklameschilder die einzige Ornamentik zu bilden, die dem Auge Abwechslung schafft. Die Architektur ist verloren in der Landschaft und die Menschen verloren in der Architektur: „Obwohl die Fotos es nicht zeigen können, gab es damals nichts, was einen von diesem Horror befreien und das Neue mit dem Alten harmonisieren konnte als die Musik aus Memphis“, schreibt Dave Hickey in seinem in englisch verfassten, eröffnenden Essay zu den Fotos Egglestons und vergleicht die Atmosphäre, die sie transportieren, mit Fotos aus der sowjetischen Ära Sibiriens oder aus dem British Raj.
Es geht ein gewaltiger Sog von den Bildern aus, immer wieder zieht einen ein winziges Detail in die vorerst für nüchtern gehaltenen Schnappschüsse und enthüllt Emotionen, wie in dem außergewöhnlichen Portrait eines jungen Mannes, der in einer wunderbaren Pose festgehalten wurde. Stark ethnographisierend sind viele von Egglestons Fotos, wo sie den kleinbürgerlichen Wohlstandstraum abbilden und dabei kontrastieren sie mit den Bildern, die fast symbolhaft die ungleiche Behandlung von schwarzen und weißen Amerikanern und die Segregation einfangen, die den Alltag im Süden der USA noch lange verdunkeln sollten.

 

 

 

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Landschaft und Kunstbauten -
Landscape and Structures

Jürg Conzett (Konzept und Text),
Martin Linsi (Fotografien)
Deutsch/Englisch

Erschienen im Verlag Scheidegger & Spiess Zürich, 2010.

Das Spannungsfeld von Landschaft oder gewachsenen Siedlungen und in sie hinein gegebenen neuen künstlichen Strukturen stellen Jürg Conzett und Martin Linsi an Beispielen Schweizer Brücken, Passstraßen, Tunnel, Viadukten und Befestigungsmauern in 23 Landschaftsteilen vor.

Brückenbauten am Hochrhein wie in Laufenburg oder Rheinfelden sind zu Beginn des 20. Jahrhunderts von Robert Maillard und Joss und Klauser im „Heimatstil“ noch für eine Überquerung zu Fuß entworfen worden und passen sich gefällig an die historische Bebauung an. Einen „Schwebezustand zwischen Schwere und Eleganz“ schreibt Conzett der Ganterbrücke im Wallis, einer der größten Schweizer Brücken, zu. Wie sich in der 2010 fertig gestellten Dorfbrücke im Graubündener Vals Schutz vor Hochwasser, eine sehr feinsinnige Integration in den historischen Dorfkern und neben Stahlbeton die Verwendung eines regionalen Natursteins, des „Valser Gneis“, mit einander verbinden konnten, wird durch die Fotos von Linsi sinnlich bis in kleine Details nachvollziehbar. ...mehr

 

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Henri Bava, Michel Hoessler, Philippe Olivier
Territories: Agence Ter:
Die Stadt aus der Landschaft entwickeln

Lisa Diedrich (Herausgeberin, und Übersetzerin),
Caroline Gerlach-Berthaud (Übersetzerin)


In ihrer Landschaftsgestaltung macht Agence Ter den Boden des jeweiligen Ortes zum Material, mit all seinen Schichten, seinen Wassern,  folgt den Gesetzen der Naturwissenschaften, verstärkt Horizonte oder kreiert neue. Sie verankert sich in der Geschichte, holt Bedeutungen und Kultur hervor, schafft offene Räume in der Stadt –  Orte zum Atem holen. Faszinierende Lebensorte entstehen, die im Einklang mit der natürlichen Umgebung entwickelt werden oder für die, die Natur „zurückgeholt“ wird, in verkarsteten Monokulturen von  Stadt- oder Industrielandschaften aus denen sie zuvor verbannt wurde. In den Kanal-Systemen des Londoner Hafenareals kann man  nun  auf „schwimmende Gärten“ stoßen. Zwischen Blöcken von Hochbauten werden Licht, Sicht und Luft wieder erlebbar. Im Königreich Bahrain sollen zwei Inselgruppen neu aufgeschüttet werden, die einen Stadtarchipel entstehen lassen, der 100 000 Menschen aufnehmen kann und seine Form aus de Relief des Meeresuntergrunds und der vorherrschenden Strömungen  ableitet. Für die neue Stadt am Meer ist so der Zugang für die Anwohner insbesondere der Fischer offen gehalten, und die Horizonte des Festlands und des Archipels werden in der Fortführung eines historischen Palmenhaines auf den Inseln miteinander verbunden. Landscape Urbanism folgt der Idee, die Gestaltungsansätze aus dem individuellen Ökosystem zu entwickeln.
Die Macher von Agence Terre
Henri Bava, Michel Hoessler, Philippe Olivier stellen in ihren Essays entlang der Themen Weite – Schichten – Ströme – Sinne – Städte bauen – Regionen orientieren  ihre weltweiten Projekte vor und zeigen wie sich Ruderalflächen, Industriebrachen, „Un-Orte“ wie Verkehrsinseln oder einfach vernachlässigte Stadträume in ökologische Kunstwerke verwandeln.

 

 

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Isolde Ohlbaum
Bilder des literarischen Lebens
Photographien aus vier Jahrzehnten

Katalogband
zur Photoausstellung im Literaturhaus München
(bis 1. 11. 2008)

Es muss so sein, dass sie kaum eine Buchmesse, eine Lesung, eine Preisverleihung oder ein Festival zwischen 1975 und heute versäumt hat. Wie sonst hätte Isolde Ohlbaum dieses beeindruckende Archiv des literarischen Lebens im deutschen Sprachraum schaffen können, das darüber hinaus eine große Zahl von Autoren aus aller Welt einschließt, die hier gearbeitet haben oder geehrt wurden? Die 352 Bilder von 357 Autoren sind alphabetisch geordnet, so dass Herbert Achternbusch den Anfang macht und der Pfeife schmauchende Carl Zuckmayer den Schluss. Dazwischen folgen Philosophen, Dichter, Sachbuchautoren und Belletristen, Tote und Lebende, Junge und Alte, Nobelpreisträger und Debütanten in bunter Reihe aufeinander. Außer einem Namensregister sind diesem gewichtigen Bildband nur fünf Textseiten beigegeben, zwei für das Vorwort des Verlegers Lothar Schirmer, der für die Auswahl der Photographien verantwortlich ist und drei für einen Essay des ebenfalls porträtierten Cees Nooteboom über Isolde Ohlbaum. Darin heißt es: Wie oft habe ich Isolde Ohlbaum gesehen, einen gefangenen Schriftsteller im Schlepptau, auf der Suche nach dem richtigen Ort in einem Gang oder auf einer Treppe, an einem Baum oder einem Geländer, ...
Viel von dieser nicht ganz freiwilligen Begegnung drückt sich in den Bildern aus, verleiht ihnen ihre besondere Lebendigkeit. Manche der Porträtierten wirken nicht bequem, andere posieren routiniert, nur wenige sind so unbeeindruckt wie der australische Dichter Les Murray. Auffällig sind die schönen alten Gesichter, Hans-Georg Gadamer, Walter Mehring, Hans Sahl, Nathalie Sarraute ... und Peter Rühmkorf am Strand in Hut und wehendem Trenchcoat, sich entziehend, nur von hi
nten zu sehen.

 

 

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  Liu Heung Shing
China:
Porträt eines Landes


Liu Heung Shing, langjähriger Korrespondent der Associated Press und des Time Magazine, präsentiert 88 Fotografen aus China, die die Zeit von 1949 bis heute belichten. Frühere politische Propaganda-Fotografien in schwarzweiß kontrastieren mit fast irreal farbigen Szenen der Pekingoper;  zeitgeschichtliche Ereignisse, Menschenportraits und Alttagsszenen rufen sechs Jahrzehnte China in Erinnerung. Zhou Chaos außergewöhnliche Fotografie von 2007, auf einer Doppelseite wiedergegeben, zeigt, fast geometrisch angeordnet, mehr als fünfzig junge Erwachsene auf Matten liegend, manche in Schlafsäcke oder Tücher eingehüllt, manche nur in ihrer farbigen Kleidung. Eine künstlerische Performance? Die Bildunterschrift belehrt, dass es sich um die, während einer staatlichen Prüfung in einer Halle untergebrachten Eltern handelt, die auf ihre Kinder warten. Fast ethnographische Wohn-Stillleben machte Hu Yang 2005 und veranschaulicht damit das  Auseinanderdriften von Armut und Wohlstand in China. Berührende Bilder stammen vom Herausgeber des Bandes selbst, vom Massaker auf dem Platz des Himmlischen Friedens oder von Guo Tielu, der die Verheerungen des Erdbebens, 2008, in der Provinz Sichuan festhielt. Den Menschen im Wechselspiel mit grandiosen Landschaften zeigen der Performancekünstler Rong Rong, von der Fotografin Inri aufgenommen oder Quin Wen, mit einer Aufnahme aus seiner Fotodokumentation über die Drei-Schluchten-Region des Jangtse. Die kulturelle Vielfalt des gigantischen Landes, das fast einen Erdteil ausmacht, ist selten im Fokus der ausgewählten Fotografien. Auch die in Englisch, Deutsch und Französisch gegebenen Untertitelungen sind zu kurz gekommen. Die Texte sind sehr formal und nicht frei von Ungereimtheiten.
Der gewichtige Band bietet auf 424 Seiten dennoch einen eindrucksvollen Bilderbogen von China. Vor allem viele der jüngeren Fotografen, etwa ab 1980, eröffnen signifikante und überraschende Blicke auf ihr Land. Aus ihren Reihen würde man sich in nächster Zukunft auch eigene Werk-Kataloge wünschen.

 

 



















 

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    Joachim Marzahn, Beatrice André-Salvini,
Jonathan Taylor, und Matthias Wolf 

Babylon.
Mythos und Wahrheit

Kataloge zur gleichnamigen Ausstellung
im Pergamonmuseum Berlin 26. Juni - 5. Oktober 2008.

Das Ischtar-Tor und die Prozessionsstraße von Babylon mögen die ausdrucksstärksten Objekte der Ausstellung sein, doch wie auch kleinere der mehrere tausend Jahre alten Plastiken, Statuen, Kultgegenstände, Kleinode, Keilschrifttafeln, Siegelrollen oder Ziertafeln durch ihre Feinheit, ihren Ausdruck und die meisterliche Handwerkskunst bestechen, zeigt ein 49,5 x 37 x 4,8 Zentimeter großes, tönernes Kultbild der sogenannten Königin der Nacht. Es ist ein überaus beredtes und kunstvolles Zeugnis der religiösen Symbolkraft der Göttin Ischtar oder ihrer Schwestergöttin Ereschkigal. Der erste von zwei Katalogbänden präsentiert auf 648 Seiten unter dem Titel Wahrheit  archäologische Objekte im Pergamon-Museum in Berlin. Die Ausstellung vereint, in einer bisher einmaligen Kooperation, die babylonischen Schätze der Staatlichen Museen Berlin, des Louvre in Paris und des British Museum in London. Aufsätze zur Archäologie, Sprachforschung, Geschichte und Kultur verorten die Fundstücke und versuchen die altorientalische Hochkultur an den Ufern des Euphrat wissenschaftlich aufzuspüren.

Der zweite, etwas schmalere Katalogband mit dem Titel Mythos behandelt in elf Essays die Bilder von Babylon in den Erinnerungskulturen der Welt. Wie kaum eine andere archaische Stadt haben der Aufstieg Babylons zum gigantischen Imperium und sein Untergang bis heute mythisch-symbolische Tradierungen inspiriert. Dabei steht Babylon für Hybris, Macht, Gewalt, Verschwendung, Tyrannei und Monstrosität und die alttestamentarische Geschichte vom Turmbau zu Babel ist dafür die Metapher schlechthin. Doch auch Pracht und Glanz, wie die sagenumwobenen Hängenden Gärten der Semiramis, die in der Antike zu den sieben Weltwundern zählten, bestimmen die Imaginationen über Babylon. Sie haben im Laufe der Jahrtausende das historische Bild der Stadt zurückgedrängt und weltweit unter Malern, Musikern und Dichtern immer neue Adaptionen gefunden: Das  Bild der Hure Babylon in den religiösen Darstellungen des Mittelalters, der König Nebukadnezar -  bei William Blake ist er dem Wahnsinn verfallen und zum Raubtier mutiert -, Semiramis die Herrscherin, von Edgar Degas in ihrem Aspekt als Bauherrin wiedergegeben oder der Turm zu Babel, in dem heute viele ein Sinnbild für die gigantomanische Baupolitik moderner Metropolen sehen wollen.
Wahrheit im Mythos und Mythos als Wahrheit, geglaubte Wahrheiten, die sich als Mythen entpuppen, dieses Spannungsverhältnis hält einen in den buchstäblich gewichtigen und visuell üppigen Katalogbänden im Bann.

 

 

 

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Friedrich Ernst von Garnier
Meine farbigere Welt –
Menschliche Arbeitslandschaften

Bei der „Pixelung“ der Fotos einer Sommerwiese, einer Berglandschaft mit See, oder eines Hochgebirgspanoramas machen die warmen Grüntöne, das Zusammenspiel von Blau-, Grün- und Weißtönen oder die mineralischen Braun-Grau-Schattierungen deutlich, welcher Schatz von Farbigkeit dem Architekturplaner zur Verfügung steht und was Farbqualität für „eine Ökologie des Auges“ bedeuten kann. Durch dieses Hinschauen, dieses Forschen nach Farbe, Licht und ihren emotionalen Werten vermag der Autor Objekte wie stahlgraue Fabrikhallen oder weiße Containerhallen so zu verwandeln, dass sie sich in der Art eines Mimikry mit ihrer Nachbarschaft in Einklang bringen. Bleierne, farblose Industrieanlagen müssen nicht zum Desaster für kleine, in die Landschaft eingebettete, Dörfer führen. Werfthallen verschwimmen im Blau-Grau-Weiß von Meer und Himmel. Mit grünen Ringen besockte Windräder pfählen die Landschaft nicht mehr derart Besorgnis erregend und für die Windparks hat Friedrich Ernst von Garnier noch viele farbige Spielarten in petto. Selbst das Innere einer Werkhalle mit dunkler Stahlkonstruktion, kann zur lichten Arbeitstätte werden, in der sich ein Streifen von Moosgrün auf blankem Fußboden spiegelt. Der schwere 24 mal 34 cm große Foto-Band besticht mit Bildern, die umgesetzte Visionen dokumentieren. Sie begeistern für die Idee, Ökologie (endlich) in die Sphäre des Visuellen einzubringen.

 

 

 

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Joachim Jäger (Hrsg.)
Wolfgang Tillmanns: Lighter

Der kiloschwere Katalogband stellt Arbeiten des Fotografen aus den letzten 21 Jahren vor: sozial bestimmte Motive und zunehmend abstrakte Themen, die Material- und Lichtuntersuchungen und das Foto als Installation und Objekt präsentieren. Es sind Aufnahmen, die der Künstler selbst oder andere Fotographen von seinen Ausstellungen in den Museen der Welt gemacht haben, die also das Tillmann'sche Werk in Kommunikation mit dem jeweiligen Ausstellungsort zeigen.
Drei kurze Aufsätze begleiten die Abbildungen.

Der Katalog erscheint zur gleichnamigen Ausstellung im Museum Hamburger Bahnhof, Berlin (21.März- 24. August 2008).

 

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  Michael Roth, u.a.:
Matthias Grünewald.
Zeichnungen und Gemälde


Das Berliner Kupferstichkabinett ist in der glücklichen Lage, mit 19 Zeichnungen auf 15 Blättern etwa die Hälfte aller Zeichnungen hüten zu können, die von Matthias Grünewald erhalten sind. Die bis zum 8. Juni 2008 dauernde
Ausstellung in seinen Räumen präsentiert erstmals nahezu alle bekannten graphischen Arbeiten des Meisters der Frühen Neuzeit. Biographische Angaben über den Künstler, der im späten 15. und frühen 16. Jahrhundert gewirkt hat, sind, außer dem Jahr seines Todes, 1528, rar. Die Ausstellung wie der anspruchsvolle Katalog sind bemüht, die karge Daten- und Faktensammlung zum Leben Grünewalds in Verbindung mit den erhaltenen Kunstwerken zu verdichten. Darüber hinaus belegt der Katalog eindrucksvoll den Zusammenhang des zeichnerischen Werks mit dem malerischen Schaffen Grünewalds. Die Zeichnungen waren oft Studien für spätere Gemälde.

 

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  Kerstin Decker:
Paula Modersohn-Becker.
Eine Biographie


Paula Modersohn-Becker und Rainer Maria Rilke wäre ein anderer, möglicher Titel dieser spannenden biographischen Recherche zweier Schwesterseelen. Berlin, neben ihren Lebenspolen Worpswede und Paris nur ein Zwischenspiel, lernt Paula Becker 1896 und 1901, zwischen Mal- und Kochkurs kennen. Sie werde fromm in dieser unfrommem Stadt, schreibt sie. Eine Schwäche des Buches ist vielleicht der vertraulich spöttelnde Ton, mit dem die Biographin die Weggefährten der Künstlerin 
bedenkt, die Rilke, Clara Westhoff, Lou Andreas-Salomé, Otto Modersohn ...
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Literatur in Berlin: www.literarisches-berlin.de  © 2008-2011 yuba edition / Brigitte Pross-Klappoth (Berlin)
 Fotos © B.Pross-Klappoth (wenn nicht anders angegeben)
 Stand: 24. April 2012