Lite ra
RIsches
Berlin

 Home

 Lesungen Dichter in Berlin Literarische Orte Neue Bücher Kulturstadtführer Impressum

  Kunst und Kultur - Buchbesprechungen

  

Bücher
Empfehlungen

Stefan Gronert
Die Düsseldorfer Photoschule

Photographien 1961-2008
Schirmer Mosel Verlag 2017
 

Bohrmann
In der Luft
Zeichnungen und Collagen 1978-1998
 

Sieveking Verlag, 2016


Sebastian Kusenberg
Pictures Inside Me Englisch /Deutsch 

Kehrer Verlag 2015

 

Die Göttliche Komödie.
Himmel, Hölle, Fegefeuer aus Sicht afrikanischer Gegenwartskünstler

 
Kerber Verlag 


 
 


Ole Wittman

Tattoos in der Kunst

Materialität - Motive - Rezeption


Dietrich Reimer
Verlag, 2017    

Der Schmetterling ist eines der beliebtesten Tattoo-Motive und steht in seinem überwiegend erotischen Kontext im Zentrum von Ole Wittmans Recherchen, die sich vom 19. Jahrhundert bis heute erstrecken. Sie gipfeln in dem spektakulären Tattoo-Aktionskunst-Projekt Butterfly Divided des Künstlers Damien Hirst: einem auf die Scham von Shauna Taylor tätowierten Schmetterling. Erotik und Diebeskunst sind bevorzugte Themen und soziale Milieus, die das Tattoo und besonders das Schmetterlingsmotiv für sich reklamieren. Wittmann führt das Beispiel eines amerikanischen Damenclubs in den 1950iger Jahren an, dessen Frauen sich als Zeichen ihrer sexuellen Freiheit einen Schmetterling auf das Geschlecht tätowieren ließen. Und schon im ausgehenden 19ten Jahrhundert wurde der Schmetterling zu einem mythischen Symbol der Diebe. Aus französischen Sammlungen geht hervor, dass der tätowierte Schmetterling in seiner symmetrischen Doppelgestalt häufig von dem Text „Comme lui je vole“ begleitet wurde, dabei auf die Zweideutigkeit von „voler“ als „fliegen“ und “stehlen“ anspielend, also „Ich fliege wie er“ und „Ich stehle wie er“. Die Kunst des Tätowierens, durch die Portraits der polynesischen Maoris des Malers Gottfried Lindauer wieder ins Bewusstsein gerückt, wurde in ihrer Jahrtausende alten traditionellen Einbettung ursprünglich von Kulturen auf allen Kontinenten gepflegt. Die Identifizierung mit bestimmten sozialen Gruppen im Westen, mit Häftlingen, Prostituierten, Söldnern, Seeleuten, deren Fotografien offensichtlich institutionell erstellt und überliefert wurden, ist gegenwärtig dabei sich aufzulösen und sich in ein allgemein akzeptiertes Kunst- und Lifestyle-Phänomen zu wandeln. Die Schaffung eines Tattoos geht inzwischen über die herkömmliche Praxis, einer Art Dienstleistung in der Tradition des Kunsthandwerks, hinaus. Bildende Künstler realisieren „im Rahmen kunstinstitutioneller Bedingungen" Tattoos, die dann als Artefakte im  Kunstbetrieb verbreitet werden.
Mit dem Aufkommen der Performance-Kunst wurde es möglich den Körper „als Form- und veränderbares Material“ auch als Medium für die bildende Kunst zu nutzen. Unter den Tätowierern fanden sich nun immer mehr ausgebildete Designer und Künstler. Ihr Stil war naturalistisch, wie das von Bob Tyrrell tätowierte Portrait des amerikanischen Country-Musikers Willie Nelson, und meist von einem verblüffenden Fotorealismus geprägt. In dieser Entwicklung steht auch das, in eine  Konzept- und Performance-Kunst, eingebundene Tattoo-Werk Butterfly Divided von Damien Hirst, das weit über die Absicht, Tätowierkunst nur als "bildende Kunst" zu betreiben, hinausgeht.
Wittmann beschreibt dieses Aufsehen erregende Konzeptkunst-Projekt, indem er versucht den Körper, das realisierte Tattoo, das Motiv und dessen Ikonographie in Korrelation zu setzen. Eine ganzer Stab von Beteiligten treten neben Hirst auf: Die Kuratorin, die nach eigenen Angaben durch die Kurzgeschichte Skin von Roald Dahl zu ihrer Konzeption inspiriert wurde, „die Trägerin“ des Tattoos, Shauna Taylor, auf deren Vulva das Schmetterlings-Motiv tätowiert wurde und die sich selbst als atmende Leinwand bezeichnete, der Designer und Tätowierer, Mo Coppoletta, der während des Tätowierens des von Damien Hirst entworfenen Schmetterlings durch Einbeziehen der Körperbesonderheiten der Schamgegend in das Tattoo-Bild einen „Tromp d’euil“- Effekt entstehen ließ und Hedi Slimanes, die durch ihre fotografische Inszenierung den Realismus des Tattoos hervorhob.
Das ganze Projekt war von Anfang an auf eine Veröffentlichung im Londoner
Garage magazine ausgerichtet und wurde bei der Herausgabe des Magazins entsprechend dramatisch aufgezogen. Auf dem Titelblatt erschien nicht das originale Bild des Tattoo-Schmetterlings  auf  Schauna Taylor’s  Geschlecht. Es wurde von einem,  Design-Schmetterling  „verborgen“, mit der Anmerkung: Peel slightly and see.
Die verschlungenen Vermarktungsstrategien für B
utterfly Divided
grenzen die Konzept-Kunst Hirsts  deutlich gegen viele andere Tattoo-Kunstwerke ab,  die Wittmann in seiner Erfassung der künstlerischen Genese des Schmetterling-Symbols mit viel Bildmaterial dokumentiert. (bpk)

                                       Nächste Rezension                                        
 


bestellen bei 


 


           

   

   
Literatur in Berlin: www.literarisches-berlin.de  © 2008-2017 yuba edition / Brigitte Pross-Klappoth (Berlin)
 Stand: 09. Mai 2017