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László Darvasi
Wintermorgen
Novellen 
Suhrkamp Verlag 2016





Nir Baram
Weltschatten
Carl
Hanser Verlag, 2016

Oğuz Atay
Die Haltlosen 
Aus dem Türkischen von Johannes Neuner
Verlag binooki 2016






Guy de Maupassant
Ein Leben  
 Mare Verlag, 2015



Michael Degen
Der traurige Prinz
Verlag Rowohlt Berlin, 2015


Navid Kermani
Grosse Liebe

Hanser Verlag 2014

 


 Zülfü Livaneli
Serenade für Nadja
Klett-Cotta, 2013

 


Tariq Ali
Die Nacht des goldenen Schmetterlings
Übersetzung aus dem Englischen
Margarete Längsfeld

Jamal Majoub
Die Stunde der Zeichen

Weltlese
Edition Bücherguilde

 


 

Zülfü Livaneli Glückseligkeit

 

 

Fatma Aydemir
Ellbogen  

Carl Hanser Verlag, 2017 

In ihrem ersten Roman besticht Fatma Aydemir von der ersten Zeile an durch eine faszinierend schnelle, heftige und ungeschminkte Ausdrucksweise, die sich dennoch, in fast unsichtbaren Schritten, in eine eine zarte und poetische Sprache wandelt. 
Der Fortgang dieser, von der Protagonistin ganz persönlich erzählten, erschütternden Geschichte, kriecht dem Leser wirklich unter die Haut und löst durch die mitziehende, manchmal den Atem raubende Sprache und einem Changieren zwischen äußerlichem Agieren und innerlichem Erleben der Ich-Erzählerin, eine Art empathische Reflektion aus. 

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Liao Yiwu
Die Wiedergeburt der Ameisen  

Aus dem Chinesischen von Karin Betz  
S. Fischer Verlag, 2016 

Unverkennbar ist Lao Wei, die Hauptfigur in Die Wiedergeburt der Ameisen vom Autor entlang seiner eigenen Biographie entwickelt worden. Diese ganze Geschichte, alles begann, mit einem Gedicht der blutgetränkten Worte, das der Autor als Aufschrei angesichts der vielen Opfer bei der Niederschlagung der Tian’anmen-Demonstration am 4. Juni 1989 verfasste.
Wie viele zeitgenössische chinesische Intellektuelle hat Lao Wei die Tradition des I-Ging aufgenommen und in den Jahren seiner Gefangenschaft im chinesischen Daba-Gebirge diese alte mystische Übung zu einem wichtigen Begleiter gemacht. Eines Tages wird Lao Wei beim Befragen des I-Ging von dem Orakel in seiner gesamten physischen und geistigen Existenz durchdrungen und ist im Moment, trotz der ihn umgebenden Mauern, frei, an jedem beliebigen Ort, zu jeder beliebigen Zeit zu sein.
Er beginnt zu schreiben und dabei dient ihm sein Leben „als Orakel für alle Geschichten, der Geschichte der Götter, der Chinesen, die der Reptilien, des Drecks, des Sumpfs.“

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Edwige Danticat
Kein anderes Meer  
Kein anderes Meer  
aus dem Englischen von Kathrin Razum 
Carl Hanser Verlag 2015

Die magische Szenerie des kleinen, imaginativen Ortes Ville Rose, der, unweit der Hauptstadt Haitis, zwischen der Karibischen Küste und einem erodierenden Gebirgszug angesiedelt, an einen „unnützen“ Berg ohne Früchte und ohne trockenes Holz angelehnt ist, nimmt schon auf den ersten Seiten ganz gefangen. In einer Art verlangsamter Melancholie entwickelt sich die Geschichte des Mädchens "Claire vom Meereslicht" und umrahmt, wie in der mündlichen Tradition des „storytellings“, die Geschichten, die sich um einzelne Bewohner des Städtchens spannen. Ihren zarten Freuden stehen Gewalt und Zerstörung gegenüber, wie das sich ruhig zurückziehende Meer nachdem es sich tosend entrollt und Verderben und Zerstörung hinterlassen hat. 


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Francois & Emmanuel Lepage
Weiß wie der Mond
Splitter Verlag, 2015

Zwei Brüder, die mit ihrer Kunst – der eine zeichnet, der andere fotografiert – den existentialistischen Raid durch die Eiswüste der Antarktis dokumentieren und in der Verbindung ihrer Künste einen einzigartigen Zugang zu einer für uns Menschen so unwirklichen Welt eröffnen: „Man bot uns die unglaubliche Gelegenheit Polarforscher zu werden… Natürlich auf unsere Art!“
Schriftsteller wie Edgar Allan Poe und Jules Verne und deren romantisch-abenteuerliche Geschichten sowie die Reiseberichte von James Cook haben die Fantasie des Comic-Autoren Emmanuel Lepage von klein an zum Blühen gebracht. Jean Baptiste Charcot, Polarforscher und Abenteurer, oder Jules Dumont D´Urville, der als erster Europäer den arktischen Kontinent erblickt hatte sowie der Brite Robert Falcon Scott und der Norweger Roald Amundsen, denen in dramatischem Wettlauf die letzte große Entdeckung der modernen Welt, das Vordringen zum Südpol, gelang, sind bei der Überfahrt der Brüder Lepage mit der Astrolabe von Tasmanien nach Dumont D´Urville immer gegenwärtig. 

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    Susan Taubes  
Prosaschriften
 
Schriften von Susan Taubes
Band 3
 
übersetzt aus dem Amerikanischen von Werner Richter
herausgegeben und kommentiert von Christina Pareigis
Wilhelm Fink Verlag, 2015  

Gegen Ende der Klage um Julia, der längsten Geschichte dieser Sammlung, scheint die Lösung ganz einfach zu sein. „Ich muss aufhören, mit mir selbst zu sprechen“ gesteht sich die Erzählerin ein, die manchmal auch ein Erzähler ist. Nur erweist sich diese Lösung, nach dem inneren Inferno von Wünschen und Ängsten, dem sich die Erzählerin und Julia – sie sind ein und die selbe Person, aber entzweit –  auf den gut 100 vorangegangenen Seiten stellen müssen, als nie realisierbarer, blasser Vorsatz.
Susan Judith Taubes, Enkelin eines Großrabbiners und Tochter des Psychoanalytikers Sándor Feldmann, wurde 1928  als Judit Zsuzsanna Feldmann  in Budapest geboren und emigrierte mit ihrem Vater, 1939, in die USA. Von 1949 bis 1961 war sie mit dem Philosophen und Judaisten Jacob Taubes verheiratet; 1956 promovierte sie selbst in Philosophie. Die elf hier vorgestellten Prosatexte entstanden zwischen 1957 und 1969, dem Jahr ihres Todes, und fallen mehrheitlich in die Zeit, als sie die philosophische Befassung hinter sich gelassen und sich auch von ihrem Mann, zu Beginn der 60er Jahre, getrennt hatte.

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    Scott McCloud
Der Bildhauer – graphic novel
Carlsen-Verlag, 2015


Ein Pakt mit dem Tod verleiht dem jungen Künstler David Smith die Gabe mit seinen bloßen Händen Granit wie Butter zu formen. Wie Gischt spritzt der Stein unter den Händen des Künstlers auf und erstarrt zu Bildern aus seinem Leben. Als Gegenleistung für das Talent, das ihm Ansehen, Ruhm und einen zeitlosen Platz im Gedächtnis der Kunst einbringen soll, willigt er ein, sein Leben, seine Schaffenszeit, auf 200 Tage zu konzentrieren und ein frühes Ende zu finden. Er gibt sein Leben für die Kunst. 

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    Mircea Cărtărescu
Die Flügel  

Zsolnay Verlag, 2014

„Zeit der Kriege schreibt Mircea Cărtărescu am Anfang seines Buches „wie seit Jahrtausenden“. Die Menschen würden jede Katastrophe überwinden und „mit einem einzigen Flügel in einem linkischen Vorwärts“ flattern. Es ist ein zorniges Buch in seiner Abrechnung mit dem gescheiterten Kommunismus, der die Menschen, jenseits von Kriegen oder Naturkatastrophen, in menschenunwürdigste Lebensbedingungen zwang. Die ins Mark treffenden Beschreibungen Bukarests im Jahr 1989, während der rumänischen Revolution und der Agonie des Ceausesco-Regimes, evozieren aktuelle Bilder von Kriegen und anderer Verbrechen gegen die Menschheit. Die  große Metapher des Dichters ist der Schmetterling, der seine Flügel nach der Metamorphose ausbreitet und sich aufschwingt. Das Bild ist schon in den Buchtiteln seiner Trilogie Orbitol angelegt. Die deutschen Übersetzungen als Die Wissenden, Körper und Die Flügel  folgen nicht der präzisen Bedeutung der rumänischen Titel, die mit Linker Flügel, Körper, Rechter Flügel zu übersetzen wären, darin wird aber die Symmetrie deutlich, die in den drei Büchern angelegt ist: die Gestalt entfaltet sich und im dritten Buch, in Die Flügel, ist der Schmetterling komplett.

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    Mercé Rodoreda
Der Garten über dem Meer
herausgegeben von Roger Willemsen
Mareverlag, 2014

Alles beginnt mit einer Verwirrung. Der Stimme des Ich-Erzählers, die dem Gärtner, als der zentralen Figur des Romans, gehört, ist unüberhörbar ein weiblicher Klang beigemischt. Die Aufklärung dieses Phänomens findet sich in einem Artikel Gabriel García Marquez’, eines Bewunderers Mercé Rodoredas (1908–1983), den er in ihrem Todesjahr geschrieben hat. Sie sei die einzige ihm bekannte Literaturschaffende gewesen, die eine lebendige Kopie ihrer Personen war. Tatsächlich war die große Dame der katalanischen Literatur auch eine passionierte Blumenzüchterin und so wird verständlich, warum die Geschichte nicht um das Herrenhaus und seine Sommergäste sondern um den zugehörigen Garten und seinen Hüter kreist.
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    Schlump  
Geschichten und Abenteuer 
aus dem Leben des unbekannten Musketiers 
Emil Schulz, genannt „Schlump“
 
Kiepenheuer & Witsch, 2014  

Klang und Bedeutung von Schlingel und Lump scheinen sich in dem kuriosen Namen des Romanhelden zu mischen. Als er, 16-jährig, in den Krieg zieht, ist Schlump, was die Zufälligkeit der Ereignisse und die Einfalt seines Wesens anlangt, in jedem Fall dem Grimmelshausen’schen Simplicissimus nicht unähnlich. Seine erste Station, drei Dörfer westlich von Calais, nahe der Belgischen Grenze, über die er, wegen seiner Französischkenntnisse, als Ortskommandant eingesetzt wird, hat denn auch überhaupt nichts Kriegerisches. Der Kanonendonner ist weit weg, die Menschen, die er zur Arbeit einteilen muss, sind aufgeschlossen und gastfreundlich und die jungen Mädchen bereiten dem Frankreichreisenden nie erträumte Liebesfreuden.  
Was folgt, könnte alptraumartiger kaum sein. Die Ablösung und Versetzung an die Front ist der Absturz aus dem Paradies in den Dreck, die Nässe und Kälte des Schützengrabens, in Hunger und Schlaflosigkeit, in das ganze namenlose Elend des Menschenschlachtens. 
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    Ernst Haffner
Blutsbrüder:
Ein Berliner Cliquenroman

Walde + Graf bei Metrolit, 2013

Sie feiern, wie Siegfried Krakauer in den 1930iger Jahren in der Frankfurter Zeitung schrieb, nach „ziemlich geheimnisvollen und anstößigen Riten romantische Dreigroschenoperfeste“. Sie, das sind Berliner Jugendliche, die sich in dauernder Flucht vor Fürsorgeheim und Knast – gibt es da überhaupt einen Unterschied? – ihren eigenen Kosmos schaffen, mit eigenen Gesetzen und schrillen Ritualen. Geografisch sind das die Straßen der Stadt und in engerem Sinne ein Netz von Kneipen und Kaschemmen, seltsamen Absteigen und verlassenen Fabrikhallen zwischen Berliner Norden, Alexanderplatz und Münzviertel, Görlitzer und Schlesischem Bahnhof, Hermannplatz und Tauentzien. Es sind schiefe soziale Räume, in denen Prostitution und Kriminalität keine Frage des Charakters oder der Veranlagung sondern quasi objektive Alltagsgegebenheiten sind.
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    Helmuth Kiesel (Hg.)
Ernst Jünger. In Stahlgewittern
Historisch-kritische Ausgabe in zwei Bänden
Klett-Cotta, 2013

Ein Frontbericht, ein Abenteuerbuch, ein Heldenepos? Das 1920 erstmals erschienene Buch Ernst Jüngers wurde ebenso für seine Kriegsverherrlichung gescholten, wie es für seine pazifistische Wirkung gelobt wurde. Fraglos war der Autor, der schon als 18-jähriger Schüler der Fremdenlegion beitrat, als er in den Ersten Weltkrieg zog, von Abenteuerlust, und, nach zahlreichen Verletzungen, Auszeichnungen und Beförderungen, auch von beträchtlicher Selbstherrlichkeit und Ehrsucht getrieben. Den literarischen Wert seines Buches muss man dennoch gerade in seiner Bescheidung suchen: auf den engen Fokus der Frontereignisse und auf die penible Schilderung ihres sinnlichen Erlebens.
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    August Strindberg
Bis ans offene Meer.
Romane und Erzählungen
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Herausgegeben und übersetzt von Angelika Gundlach

Das Schärenmeer vor Stockholm mit seinen zahllosen, eiszeitlich rund geschliffenen Inseln und Inselchen ist eine Herzens- und Heimatlandschaft August Strindbergs (1849-1912). Den Schärenbewohner beschreibt der gebürtige Stockholmer als Einsiedler, der „es weit zum Gerichtsgebäude, weit zur Kirche und weit zur Schule; weit zu den Nachbarn und weit zur Stadt“ hat. Die naturalistische Schilderung der Kargheit von Land und Leuten, der Beschränktheit des täglichen Lebens, ist durchdrungen von der Sympathie des Dichters für diese Inselwelt, auch wenn er unter ihren Bewohnern keine wirkliche Gegenliebe fand.
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    Teju Cole
Open City: Roman

Aus dem Amerikanischen von
Christine Richter-Nilsson
Suhrkamp Verlag, 2012

Wenn die Hauptfigur in Open City durch New Yorks Straßen und Parks wandert, verleiht Cole ihm seinen fotografischen Blick und seine innere Resonanz. Ein ungewöhnliches, unorthodoxes Erleben dieser Stadt entsteht. Der Leser wird unwillkürlich in diese exklusive Schau hineingezogen und verzaubert.
Am New Yorker Himmel sucht der stadtwandernde Erzähler in Open City nach Zeichen. Er verfolgt beispielsweise die „natürliche Migration“ der Zugvögel, oder, im Kontrast zu den Menschenmassen, die „wie einem widernatürlichen Todestrieb“ folgend in die katakombengleichen U-Bahnen zu strömen scheinen, entdeckt er einen Bienenschwarm in der Luft über einer Hecke, der ihn an den höchsten Gott der Yoruba-Religion, Olodumare erinnert. In der nigerianischen Heimat seines Vaters, wo der Ich-Erzähler, wie Teju Cole selbst, einen Teil seiner Jugend verbrachte, sagt man, dass Olodumare wie ein Bienenvolk im Himmel sitzt
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Olga Grjasnowa
Der Russe ist einer, der Birken liebt.
 

Die Protagonistin Mascha ist Aserbaidschanerin. Während des Konflikts um die Region Bergkarabach geriet sie und ihre jüdisch-russische Familie in Baku immer wieder in Lebensgefahr. Mascha war elf als sie schließlich ins deutsche Exil kamen. Nun als junge Frau, lebt sie in Frankfurt in einem verästelten kosmopoliten Freundeskreis, manche wie sie in einer Heimat und Doch-Nicht-Heimat Gestrandete.
Der Schock des unerwarteten Todes ihres Freunds Elias bringt ein verdrängtes Trauma wieder an die Oberfläche. Sie versucht sich selber auszuweichen und nimmt eine Arbeitsstelle in Israel an. Doch sich selbst zu fliehen soll ihr in diesem von blutigen und scheinbar unlösbaren Konflikten heimgesuchten Land nicht gelingen,  kann sie sich doch den gewalttätigen Wirklichkeiten Israels und Palästinas nicht entziehen.  ..
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    Navid Kermani
Dein Name

Wenn man sich nicht darauf versteift, dieses Werk kategorisieren zu wollen – ist es ein Roman, eine Autobiographie oder eine Art Tagebuch? – dann erwartet den Leser eine, im privaten Ton verfasste Erzählung alltäglichen Lebens, eine kriselnde Ehe, eine siebenjährige Tochter, Anekdoten von der iranischen Familie, Kommentare zur aktuellen Politik und Kultur, gespickt mit den brillanten Ausführungen eines Feuilletonisten.
Kermani, der Erzähler, manchmal Ich-Erzähler, manchmal aus der Perspektive des Ehemanns, Vaters oder Romanschreibers, offenbart eine Vielzahl von Gesichtern. Manchmal derb und vulgär, wandelt er sich Zeilen später zum tapsigen von der Ehe überforderten Vater, gibt sich als planloser, ja fast dilettantischer Schreiber, um dann mit großem Feingefühl in der Betrachtung eines Freundes oder Kollegen das zerbrechlich Menschliche zu sehen, die individuelle Schönheit eines Rocksängers, Komponisten, Arztes oder politischen Kämpfers.
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    David Mazzucchelli.
Asterios Polyp.
Aus dem amerikanischen Englisch von Thomas Pletzinger

Ein Blitz lässt das Haus von Asterios Polyp in Flammen aufgehen und legt damit sein ganzes bisheriges Leben in Trümmer. Das geschieht an seinem 50sten Geburtstag und nur ein Schweizer Taschenmesser, ein Andenken an seine ewig geliebte und doch so ferne Frau, kann er auf der Flucht vor den Flammen retten. Das tiefsinnige Comic-Roman-Debüt von David Mazzucchelli sprüht vor Witz und Esprit. Die allzu menschlichen, materiellen, wie psychischen Abhängigkeiten und Muster eines vergleichbar winzig anmutenden und flüchtigen Lebens versöhnt der Autor mit der Größe des Universums, mit seinen Himmelskörpern und dem erhabenen Thema der Liebe.

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    Khalil Gibran
Sämtliche Werke Band 1

Herausgegeben und Übersetzt von Ursula und S. Yussuf Assaf

Zwischen Armut, Schicksalsschlägen und Tod wählt Gibran die Schönheit als seinen Leitstern und ruft denen zu, die unzufrieden sind mit Unterjochung und religiösem Zwang: „Erwählt die Schönheit zu eurer Religion.“ Und so sinniert er, dass er anstatt der Freiheitsstatue als Wahrzeichen „eine (Statue) zu Ehren der Schönheit“ aufstellen lassen würde, „denn für die Freiheit haben die Menschen stets gestritten. Doch vor dem Angesicht der Schönheit werden sich alle Menschen als Brüder die Hand reichen.“ 
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Hans Christoph Buch
Apokalypse Afrika
Oder Schiffbruch mit Zuschauern

1995 wird der Autor Augenzeuge des Massakers von Kibeho, bei dem Tutsi Soldaten der Nationalen Volksarmee Ruandas an 80 000 zusammengetriebenen Hutuflüchtlingen für den Genozid des vorhergehenden Jahres Rache nahmen. Tausende starben, Buch selbst wird von einem der Blauhelmsoldaten, die wie Statisten der Szene beiwohnen, gerettet.
In dem Essayroman erscheint dieses Erlebnis als „eine Urszene, die mich in Alpträumen bis heute verfolgt und die zur Urzelle meines Schreibens geworden ist.“
Ein steuerlos umher driftendes Schiff, von dem Rest der Flotte bewusst aufgegeben, wird zum Leitbild des Romans. Ihrem Schicksal überlassen, vernichten sich die Menschen in einem kannibalistischen Exzeß gegenseitig und nur Wenige überleben.
Die Kapitel des Buchs sind teils fiktive Texte, teils journalistische Reportagen. Die Verbindung von geschichtlichen Recherchen, von Eindrücken des Kriegsberichterstatters Buch, mit der Eingängigkeit der Fiktion, ist die Methode, die die Demütigung, den Missbrauch und die endzeitlichen Zustände eines ganzen Kontinents dem Leser zugänglich macht.
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Jan Karski
Mein Bericht an die Welt.
Geschichte eines Staates im Untergrund.


Aus dem Polnischen von Ursel Schäfer und Franka Reinhardt

Die Geschichte der Missionen Karskis im besetzten Polen, der Aufbau des Staates im Untergrund, die Kontaktierung seiner Verbindungsleute, seine Gefangenschaft und Folter durch die Gestapo, seine Einbindung in die Politik der exilierten Regierung, die Propagandaarbeit für Polen bei den Alliierten – das alles liest sich wie ein Spionageroman und ist doch ein historisches Dokument des Kampfes der Polen um die Wiedererringung des Landes. 1944 kommt das hier besprochene Buch – noch mit chiffrierten Decknamen – zum ersten Mal unter dem Titel „Story of a Secret State“ in den USA heraus.
Jan Kozielewski, der stets unter seinem Decknahmen, Jan Karski, arbeitete, hatte nach eigenen Angaben eine glückliche Kindheit im kulturell aufgeschlossenen Lodz. Eine hervorragende Ausbildung sollte ihn zum Diplomatendienst für das junge Polen befähigen.
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Edgar Allan Poe

Die Geschichte des Arthur Gordon Pym
aus Nantucket


Übersetzt von Hans Schmid

Herausgegeben von Hans Schmid und Michael Farin Die Geschichte des Arthur Gordon Pym fasst Edgar Allan Poe am Anfang seines Buches in wenigen Stichworten zusammen: Meuterei und fürchterliches Gemetzel an Bord der Grampus auf ihrem Weg in die Südmeere, die Zurückeroberung des Schiffes und nachfolgender Schiffbruch, entsetzliche Leiden durch beinahes Verhungern, ihre Errettung und kurze Reise auf der Jane Guy im Antarktischen Ozean, die Kaperung des Schiffes und das Massakrieren seiner Besatzung auf Höhe des vierundachtzigsten südlichen Breitengrades und die unglaublichen Abenteuer und Entdeckungen noch weiter im Süden. Trotz der eindeutigen Thematik ist das Roman-Fragment – ihm fehlen nach des Autors eigenem Bekunden die zwei, drei letzten Kapitel – kein Seeabenteuer schlechthin. Kategorien wie Traumgeschichte, Science Fiction oder mystisch-esoterischer Text drängen sich auf. Diesen und anderen Fragen gehen die Herausgeber dieses zum 200. Geburtstag des Autors neu übersetzten und wunderschön inszenierten Literaturschatzes nach. Sie betten die Poe’sche Geschichte in einen nach Seiten etwa gleichstarken Apparat ein: das beginnt mit einem kurzen Abriss über die Quellenforschung zum Arthur Gordon Pym und einer 60-seitigen Einleitung, umfasst zahlreiche, oft mehrseitige Anmerkungen und zwei Bildteile, deren einer die Illustrationen zu Charles Baudelaires französischer Ausgabe von 1926 zeigt und wird fortgesetzt mit einer Chronik, die von 1774 bis 2008 reicht. Sie lässt kaum einen Zusammenhang unbeachtet, in den sich der Roman stellen ließe. So berichtet sie von einer 1933 erschienenen Psychobiografie über Poe, die, später kritisiert und belächelt, dem Dichter auch an Hand des Pym eine krankhafte Mutterfixierung nachzuweisen sucht oder von der Hochschätzung Joseph Conrads aus dem Jahr 1899 für den Pym, den er realistisch, und doch phantastisch nennt und wie von einem wirklichen Seemann mit einem düsteren und poetischen Geist geschrieben. Auch das gegensätzliche Urteil, das Henry James, 1876, über seinen Landsmann äußerte, überliefert die Chronik: ... ihn bis zu einem gewissen Grade ernst zu nehmen bedeutet, dass einem selbst der Ernst fehlt. Ein Enthusiasmus für Poe ist das Zeichen eines entschieden primitiven Stadiums der Reflexion ...
Das große Verdienst dieser Edition liegt in dem leichten, spöttischen Ton, mit dem die Herausgeber ihren Materialreichtum um das Buch herum auslegen. Nie belastend oder belehrend, vertragen sich die mitgeteilten Recherchen und Anmerkungen mühelos mit dem Poe’schen Werk und bereichern vor allem die Leser, die das Zustandekommen und die öffentliche Aufnahme dieses Sonderfalles der Weltliteratur in gleicher Weise fasziniert, wie der Roman selbst.
 

 

 


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Sebnem Isigüzel
Am Rand
Aus dem Türkischen von Christoph K. Neumann
 

Mit gewaltvollen Bildern entwirft Sebnem Isigüzel ihre Geschichte in einem faszinierenden Realisimus. Immer wieder wird er abgelöst durch Formen zügelloser Phantasie. Ihr Roman Am Rand, im Türkischen Çöplük, das heißt Müllhalde, ist bis zur letzten Zeile in dieses Wechselspiel eingebettet. Der größte Teil des 430 Seiten langen Romans kreist um das Leben von Leyla, deren Lebensumstände sie in eine Gesellschaft von Menschen gespült haben, die am Stadtrand Istanbuls leben. Die Müllhalde ist zu ihrem Territorium geworden. Eine vollkommen andere Welt ist diese Gemeinschaft von Randständigen und doch gleichen ihre Strukturen der etablierten Gesellschaft. Auf dem Müll offenbaren sich die Charaktere freilich ungeschminkt, monströs und ohne Deckung. Es sind keine Personen, die aus der Armut ins völlige Abseits abgerutscht sind. Es sind bürgerliche Existenzen, die infolge unseliger innerer und äußerer Verhältnisse Schiffbruch erlitten haben. In diesem Reich ist Leyla die „Königin des Mülls“ geworden. Ihr Leben davor, als Diplomatentochter in Moskau, wo sie mit dem großen Kasparow Schach gespielt hatte oder während ihrer kurzen Ehe mit dem Sohn aus einer düsteren Familie der Oberschicht, ist zu dünnen Schatten ihrer Erinnerung verblasst. Izigüzel taucht tief in die Verästelungen ihrer Erzählung ein, Szenen unmäßiger Brutalität stehen neben einem einfühlsamen Nachspüren in die Unbegrenztheit menschlicher Beziehungen. Am Ende des Romans, gibt sie das Erzählte noch einmal in die Zentrifuge und lässt die Hauptakteure in fiktiven Interviews ihre Wahrheiten aussprechen. Doch die bestehen nur in den neu ausgewählten und aufgeschriebenen Imaginationen der Autorin, die so den Sinn dieser aufregend und atemberaubend erzählten Geschichte wieder anders ins Spiel wirft.

 

 
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Rafael Chirbes
Krematorium
Aus dem Spanischen von Dagmar Ploetz 

Ein skrupelloser Bauunternehmer, nicht eben unsympathisch und lebensvoll, der in manchen seiner Züge auf den Autor selbst verweist, ist der Held des Romans. Sein unheilvolles Wirken zwischen Bauspekulation und Umweltzerstörung hat Chirbes schon in einem früheren Essay-Band, Am Mittelmeer, auf den Punkt gebracht: ... als hätte ein ruchloser, zerstörerischer Zauberer den Plan gefasst, Hässlichkeit über eine Region zu bringen. Die in Rede stehende Region, die spanische Mittelmeerküste, ist  Wohnort des Autors und Ziel zahlloser Touristen. Die von unförmigen Betongeschwüren übersäte, von Schnellstraßen zerschnittene und vom gleißenden metallischen Licht einer lebensfeindlichen Sonne bestrahlte Landschaft ist das Lebenswerk des Romanhelden und liefert einen Anklang auf den Titel des Buches. Chirbes, der als 39-Jähriger, 1988, seinen ersten Roman veröffentlichte, arbeitet seit gut zwanzig Jahren an seinem Sittengemälde der spanischen Gesellschaft nach dem Bürgerkrieg. Krematorium ist, nach Der lange Marsch, der die Zeit zwischen 1940 und 1970 zum Inhalt hat und Der Fall von Madrid, der am Todestag Francos, dem 15. November 1975, spielt, der dritte Schritt und der unerbittliche Spiegel, den der Dichter sich selbst und seiner eigenen Generation vorhält.

Die Geschichte vollzieht sich, praktisch ohne äußere Handlung als innerer Monolog oder als Selbstgespräch der Protagonisten, eine vom Autor gepflegte und zu großer Spannung geführte Erzählkunst. Alle Personen stehen in einem widerspruchsvollen Verhältnis zum Helden des Romans; niemand scheint ihn zu mögen, doch alle werden von ihm ausgehalten. Die Ausnahme ist der gestorbene Bruder des Baulöwen, ein Ökobauer und Außenseiter der Familie, der den Beteiligten angesichts seiner bevorstehenden Verbrennung sozusagen posthum die Selbstreflexion abfordert. Ebenso widersprüchlich wie nachvollziehbar erscheint die Tatsache, das Rafael Chirbes’ Bücher nirgendwo so erfolgreich sind wie in Deutschland, das den Touristenstrom nach Spanien stärker speist als jedes andere Land.

 

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Kaspar Schnetzler
Das Gute

Ein Familienepos das sich über ein volles Jahrhundert erstreckt. Ausgerechnet mit dem Besuch des deutschen Kaisers 1912 in Zürich beginnt die Geschichte der ur-schweizerischen Familien Frauenlob und Gerber. Der aphrodisiakische Enthusiasmus, der die beiden späteren Familienoberhäupter während dieses kaiserlichen Besuchs überkommt, eröffnet die Saga, die so reich an Aspekten des Lebens in der Zwingli-Stadt zu Beginn des 20. Jahrhunderts ist. In der ersten Hälfte des 600 Seiten starken Buches verwöhnt Schnetzler den Leser mit sehr vielen Details aus dem Schweizer Brauchtum. Fast ethnographisch liest sich, wie die Welschen die Deutschschweizer empfanden, wie stolz die Nicht-Städter gegenüber den Zürichern waren oder wie über regionale kulinarische Feinheiten die Identität mit einem Kanton zelebriert wurde. So manches erfährt man über den Charakter der Klettgauer, der Wollishofener und die feine Gesellschaft auf dem Rietberg oder in Thalwil. Und während sich Europäische Geschichte und Schicksalsjahre aus dem Blickwinkel vom Zürichsee her abspielen, legt der Roman das Innenleben der Familien und ihrer Individuen bloß. Die Sinnsuche, die Suche nach dem Guten hat hier viele Spielarten. Im Gewand von religiösen oder nationalen Fundamentalismen allerdings wird sie zur Zerreißprobe für die Familie Frauenlob. Die Frauen stehen im Widerspruch zwischen konservativem Hausfrauenbild, kreativen Ambitionen und der Vereinahmung von religiösen Eiferern, die Männer sind in strenger patriotischer Enge oder sentimentalem Traditionalismus gefangen. Die nachfolgenden Generationen entlarven so manches dieser Gutmenschmuster, doch sind nicht alle dagegen gefeit, selbst ins Netz neuer Ideologien zu geraten. Schnetzler hat in seinen Epochenroman viele kleine Spiegelchen für den Leser eingebaut, was ihn, nicht zuletzt, im Bann des Epos hält, das 2012 am Zürcher See zu Ende geht, wenngleich es dort auch einen neuen Anfang nehmen könnte.

 

 
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Giwi Margwelaschwili
Officer Pembry

Margwelaschwilis Officer Pembry ist eine Fiktion, in der das Geschehen des Thrillers, Das Schweigen der Lämmer von Thomas Harris, in die Lebensrealität seines in der Zukunft lebenden Protagonisten eindringt. Der ist ein Namensvetter oder eine Parallelperson des in dem Harrisschen Buch von einem Hannibal Lecter ermordeten Officers. Die Gefahr für den lebenden Pembry entspringt aus der Handlung des Thrillers. Oder scheint es nur so und steckt tatsächlich die Prospektive Kriminalpolizei, kurz PKP genannt, deren Ressort es ist, Mordfälle in Büchern zu recherchieren und zu verhindern dass sie sich in der Wirklichkeit ereignen, hinter allem? Die PKP hält Lösungen für Pembry bereit, die seinen sicheren Tod, wie ihn der Verlauf des Thrillers vorschreibt, abzuwenden vermögen. Denn, wenn keine Gegenmaßnahmen ergriffen werden, so will es die PKP wissen, würde sich das Buchgeschehen irgendwann unweigerlich umsetzen. Aber kann man durch Lesen oder Nichtlesen einer Geschichte verhindern, dass sich ihre Handlung erfüllt? Margwelaschwili spielt beliebig mit den vielen Ebenen, sodass der Leser sich nicht bequem durch eine spannende Krimihandlung führen lassen kann. Immer wieder steht in Frage, ob der Protagonist sich in eine Art selbst erfüllende Prophezeiung hinein begibt, bei der die PKP die Rolle eines totalitären Regisseurs inne hätte oder ob es besser wäre, mit Pembry zu fiebern, dass er seine, von der Prospektiven Polizei entworfene Rolle in dem Plot wirklich gut spielt, damit er aus dem Gewirr der Lesewirklichkeiten unversehrt entkommen kann.
Margwelaschwilis hat eine spannende und intelligente Kriminalliteratur mit schön-verwirrenden, philosophischen „Hintergedanken“ ersonnen.
 

 

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  Stefan Schomann
Letzte Zuflucht Schanghai
 
Die Liebesgeschichte von Robert Reuven Sokal
und Julie Chenchu Yang

In einer weltumspannenden Liebesgeschichte, bewegen sich, wie zwei Züge, die die Lebensereignisse der beiden Protagonisten chronologisch auf einander zu. Robert Reuben Sokal stammt aus einer gut gestellten jüdischen Familie, die aus Galizien nach Wien emigriert war. Julie Chenchu Yang ist die Tochter eines wohlhabenden traditionsbewussten chinesischen Arztes aus Nangpo. Kapitel für Kapitel lässt Schoman sein späteres Liebespaar im Wechsel, jeweils als Ich-Erzähler und Ich-Erzählerin berichten, über ihre Jugend in Wien und Nangpo, über ihre Flucht aus dem von den Nazis annektierten Wien und die „kleinere“ Migration aus Nangpo, ausgelöst von der Angst vor der japanischen Expansion in China. Das Leben in Schanghai, der gemeinsamen Stadt des Exils, lassen beide Erzählstimmen, immer noch getrennt, vor uns Revue passieren: Die Parallelwelten von Schanghai, die Armut vieler jüdischer Emigranten, die noch größere Not der Mehrzahl der chinesischen Einwohner, die „Fluchtgewinnler“ und der Luxus der Eliten. Vor dem Hintergrund der sich überschlagenden politischen Ereignisse beim Ausbruch des Zweiten Weltkrieges werden wir in die Details der Lebenswelten der, zu dieser Zeit, jungen Menschen mitgenommen. Als Studenten der gemeinsamen Fakultät treffen, die sich so aufeinander zu Bewegenden, letztlich nach Kriegsende, aufeinander. Und obgleich chinesisch-europäische Ehen im Schanghai jener Zeit eine Seltenheit waren und die jeweiligen Familien eine „Mischehe“ für etwas völlig jenseits des Denkbaren hielten, gab es 1947 eine Verlobungsurkunde, schön verziert mit Mandarinente und Lotos. Die nächste Migration, der aus unterschiedlichsten Welten Zusammengekommenen, konnte nun beginnen.
Ein schneller, mitnehmender Roman, auf den wahren biographischen Lebensläufen von Julie Chenchu Yang und Robert Reuben Sokal beruhend und mit wunderbaren historisch-kulturellen Bilddokumenten versehen.

 

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Romain Gary
Frühes Versprechen
Aus dem Franzöischen von Giò Waeckerlin Indun

Romain Gary, hoch dekorierter Flieger-Offizier, Diplomat, Autor und Ich-Erzähler, ist nicht der Held seines autobiographischen Romans. Diese Rolle spielt Nina Kacev, seine aus kleinen, jüdisch-russischen Verhältnissen stammende Mutter. Die nicht sehr erfolgreiche Schauspielerin, deren Lebenskunst nur darauf gerichtet ist, sich und ihren Sohn mit den fantastischsten wirtschaftlichen Unternehmungen über Wasser zu halten, visualisiert für ihn mit unbeirrbarer Naivität und Vorstellungskraft die glänzende Karriere eines Künstlers und Diplomaten an dem einzigen Ort, der ihr dafür geeignet erscheint, in Frankreich. In meinem ganzen Leben habe ich nur zwei Menschen mit dem gleichen Akzent von Frankreich sprechen hören: meine Mutter und den General de Gaulle. Wie die Mutter es fertig bringt, ihre Vision auf den Sohn zu übertragen und aus dem russischen Jungen Roman Kacev den erfolgreichen, unter fünf verschiedenen Namen publizierenden und so zweimal den Prix Goncourt einheimsenden Schriftsteller Romain Gary werden zu lassen, und wie sie es selbst über ihren Tod hinaus schaffte, ihn in der Erfolgsspur zu halten, ist eine überaus berührende Geschichte, die Gary, ohne Sentimentalität, eher lakonisch wiedergibt. Ja, meine Mutter war begabt und ich habe mich nie davon erholt. Das Buch, das 1960 als La Promesse de l’aube erschien und ein Jahr später unter dem deutschen Titel Erste Liebe – letzte Liebe vorlag, ist jetzt mit dem stimmigeren Titel Frühes Versprechen neu übersetzt worden. Ein Nachwort, eine Zeittafel und ein Werkverzeichnis Romain Garys, der sich 1980 das Leben nahm, sind dem Buch beigegeben. 

 

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Abdalrachman Munif
Zeit der Saat
Aus dem Arabischen von Magda Barakat und Larissa Bender
 

Zeit der Saat ist der zweite Band eines mehrbändigen Romanwerkes, in dem die arabischen Salzstädte, in denen, auf Salz gebaut, das Wasser alles einmal auflöst und nichts bleibt,  Spiegel  für die Welt des Öls der Golfstaaten sind, deren Kenner Abdalrachman Munif par excellence war. Als Sohn eines saudiarabischen Händlers und einer irakischen Mutter in Jordanien geboren, hatte er in vielen arabischen Ländern sein Zuhause. Er studierte Wirtschaft, war Chefredakteur der Fachzeitschrift Öl und Entwicklung im Irak, wurde ein erbitterter Gegner Saddam Husseins, um später ein ebenso scharfer Kritiker des Krieges der Amerikaner im Irak zu werden. Bevor er sein Leben gänzlich dem Schreiben widmete, arbeitete er als Wirtschaftsexperte für die OPEC.
Zeit der Saat ist ein Epos um die Herrscherfamilie in einer arabischen Kleptokratie, unschwer als Saudi-Arabien zu erkennen, um einen machiavellistischen Arzt und seine Familie und um die Auflösung einer traditionellen Beduinen-Gesellschaft und die zersetzenden Eigenschaften des Petrodollars. Wir lesen aber keine politische Kritik, Munif taucht ganz in den Mikrokosmos arabischer Familienleben ein, zeichnet sehr spezifische Charaktere der einfachen Menschen des fiktiven Moran, springt in orientalischer Erzählkunst von Szene zu Szene und verflicht das Analytische mit dem Populären. Es ist bemerkenswert und von schlagender politischer Aussagekraft, dass die Handlung seiner Erzählung in seinem eigenen Leben, im „Nicht-Fiktiven“, weiterwirkte: Munif wurde nach Erscheinen von Salzstädte, die saudiarabische Staatsbürgerschaft entzogen und in der Folge zur unerwünschten Person in vielen Staaten am arabischen Golf.
 

 

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Thomas Pynchon
Gegen den Tag
Aus dem Englischen von Nikolaus Stingl und Dirk van Gunsteren

Der 71-jährige Autor hat Physik und englische Literatur studiert, war ein Schüler von Vladimir Nabokov und technischer Redakteur bei Boing. Manche vermuten ihn längst in unmittelbarer Nähe des Nobelpreises. In jedem Fall ist er eine der auffälligsten Gestalten des modernen Literaturbetriebes, vielleicht auch, weil es ihm gelang, seit Jahrzehnten sein Gesicht der Öffentlichkeit vorzuenthalten. Seither sind Journalisten auf ein Matrosenfoto aus jungen Jahren angewiesen. Pynchons in vierzig Jahren entstandenes Werk ist überschaubar. Es besteht im wesentlichen aus sechs Romanen. Der neueste ist knapp 1600 Seiten stark, ohne Anmerkungen, Glossar oder ähnliches – alles reine Fabulierkunst. Der Titel ist einer Bibelstelle entnommen, in der vom Tag des Gerichts die Rede ist. Er könnte aber auch im Sinne von Gegenlichtaufnahme gedeutet werden. Das Jahr 1893 mit der Weltausstellung in Chicago und die Zeit kurz nach dem Ersten Weltkrieg bilden den Zeitrahmen. Die Schauplätze sind Colorado, New York, London, Göttingen, Venedig, Wien, der Balkan, Zentralasien, Sibirien, Mexiko, Paris, Hollywood, und ein, zwei Orte, die auf keiner Landkarte zu finden sind. Eine Spezialität des Autors ist die Schilderung von skurrilen Welten, von völlig überspitzten Haltungen und Absichten, die sich bei genauerem Hinsehen als beklemmend realistische Weiterungen unserer aktuellen gesellschaftlichen Zustände offenbaren: Einmal, als sie noch kleine Kinder waren, hatte ihm Ruperta ein Pfund für einen seiner Bleisoldaten angeboten, und als er ihn ihr übergab, hatte sie einen in der nähe liegenden Kricketschläger aufgehoben und begonnen, mit ziemlich feierlichem Gesicht auf ihn einzuschlagen. Eigentlich hätte er weinen müssen, entsann sich später jedoch, dass er nur Bewunderung verspürt und sich dabei vielleicht vorgenommen hatte, das Gleiche bei jemand anderem auszuprobieren. Ein grässliches kleines Mädchen, das er mit der Zeit als Beförderin seiner weniger mitteilbaren Träume zu betrachten lernte. Die politisch und psychologisch durchkomponierten, vielfältig miteinander verschlungenen Handlungsstränge, in denen eine nur schwer zu überschauende Zahl von Personen agiert, gehören zum besten und einfallsreichsten, was phantastische Abenteuerliteratur hervorbringen kann. Ganz und gar unverfänglich, fast schon genretypisch, klingt der Auftakt: Unter derlei lebhaften Ausrufen stieg das wasserstoffbetriebene Luftschiff ‚Inconvenience’, seine Gondel mit patriotischen Fähnchen geschmückt, an Bord eine fünfköpfige Besatzung – allesamt Mitglieder jenes berühmten, unter dem Namen Freunde der Fährnis bekannten aeronautischen Clubs –, zügig in den Morgen auf ...

 

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Tran-Nhut
Das schwarze Pulver von Meister Hou
Ein Kriminalfall für Mandarin Tan

Aus dem Französischen von
Michael Kleeberg 

Dieser Fall des Mandarins Tan kommt nicht aus einer Feder. Zwei aus Vietnam stammende Schwestern, Than-Van und Kim Tran-Nhut, haben die Figur des Mandarins nach dem Vorbild eines real-mythischen Vorfahren kreiert. Der geschichtliche Hintergrund der im 17. Jahrhundert angesiedelten Kriminalgeschichte und der Kampf um die materiellen Ressourcen des Landes sind nicht nur Kulisse sondern bestimmend für die Motive der Protagonisten. In einer Verkettung von Ereignissen treffen alte Traditionen auf neue Machenschaften. Der noch junge Mandarin Tan, unbeirrbar konfuzianisch, sieht sich gleichzeitig mit dem Mord an einem dekadenten Grafen konfrontiert, einem versenkten Handelsschiff und den, wie von Geisterhand entwendeten Grabstelen auf dem Friedhof der Ahnen. Eine Peitsche schwingende Gefängnisvorsteherin mit seidigem Zopf und die feingliedrige Schwägerin des ermordeten Grafen bringen ihn erheblich aus seinem amtlichen Gleichgewicht. Sie sind wie der, der taoistischen Lehre zugewandte, jesuitische Priester, die Witwe und der Bruder des Ermordeten, Zeugen und Verdächtige zugleich. Mit peniblen Untersuchungen und Nachforschungen stehen Tan, wenn auch widerstrebend, ein wunderlicher Schriftgelehrter und ein, den derben kulinarischen Freuden frönender Arzt zur Seite. Wie der feinsinnige Mandarin zwischen alchemistischen Praktiken und Elixieren,  revoltierenden Untoten, portugiesischen Handelsgesellschaften und christlicher Mission seine Ermittlungen führt, nimmt den Leser im Handumdrehen für ihn ein und er freut sich schon auf einen neuen Fall und die nächste Übersetzung aus dem Französischen.

 

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Literatur in Berlin: www.literarisches-berlin.de  © 2008-2017 yuba edition / Axel Klappoth (Berlin)
 Fotos © B.Pross-Klappoth (wenn nicht anders angegeben)
 Stand: 10. März 2017