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Navid Kermani

Gott ist schön:
Das ästhetische Erleben des Koran

 

Al-Kindi
Die Erste Philosophie:
Arabisch - Deutsch
 



Hildegard Elisabeth Keller (Hrsg.)

Der Ozean im Fingerhut:
Hildegard von Bingen, Mechthid von Magdeburg,
Hadewijch und Etty Hillesum

Human Condition. Mitgefühl und Selbstbestimmung
in prekären Zeiten
Herausgegeben von
Peter Pakesch
und Adam Budak

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Johan Huizinga
Amerika – Mensch und Masse in Amerika
Amerika – Leben und Denken
Amerika-Tagebuch

Dass die so „junge“ Geschichte der Vereinigten Staaten von Amerika ein geschichtsinteressiertes europäisches Publikum langweilen müsse, entspringt einem eurozentrischen Missverständnis. Das weist der niederländische Historiker Johan Huizinga in seinen vier Essays aus den Jahren 1918 bis1928 über die moderne Kulturgeschichte der USA nach. Danach nimmt der europäische Blick die USA als ausschließlich europäisch geprägt wahr und verfehlt damit das Besondere dieses „neuen“ Staatenbundes.
Dem europäischen Betrachter „wird (…) zumute sein wie einem, der die strengen und durchscheinenden Formen der klassischen Musik gewohnt ist und zum ersten Mal eine moderne Komposition hört (…): Hyperbolische Entwicklungen, leidenschaftliche Konflikte, schreiende Widersprüche.“
Huizinga ist einer der Wegbereiter moderner Kulturgeschichte, die auch intuitive, schwer zu fassende Kategorien, wie Mentalität im kulturellen Ausdruck – etwa in der Malerei oder in der Musik – den klassischen Quellen der Historiographie hinzufügt. Seine revolutionären Werke wie „Homo ludens“, das das Spiel als Teil von Kultur und als Kultur schaffende Konstante beschreibt, zählen zu den historiographischen Standardwerken.

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Aus dem Guru Granth Sahib
und anderen heiligen Schriften der Sikhs

Ausgewählt, übersetzt und kommentiert
von Tilak Raj Chopra und Heinz Werner Wessler
Herausgegeben von Martin Kämpchen

In der Region um den nordindischen Bundesstaat Panjab und die Stadt Amritsar, dem Teich des Nektars der Unsterblichkeit, konzentriert sich heute die ca. zwanzig Millionen Menschen zählende Bevölkerung der Sikh. Im Unterschied zu den Hindus sind die Sikh monotheistisch, lehnen die Verehrung von Götterbildern und das Kastensystem ab und berufen sich auf das von Guru Bhai Gurdas zusammengestellte, uranfängliche Buch Guru Granth Sahib oder Adigranth der Hymnen und heiligen Gesänge. Die Verehrung der göttlichen Person ist für den Gesangsvortrag bestimmt und geht auf die ersten fünf Gurus und auf eine Vielzahl von Dichterheiligen des 16. Jahrhunderts zurück.
Im Zentrum des Adigranth steht die Lobpreisung: „Es singen Dir die Erdteile und Welten, / die Du geschaffen hast und die Du erhältst. / es singen Dir besonders diejenigen, / die Deiner Gnade teilhaftig und von Liebe zu Dir / berauscht sind.“ Japuji Sahib
Die Verehrung der Gurus ist die Wertschätzung des Schülers (Sikh) für den Lehrer. Besonders dem Religionsstifter Guru Nanak (1469-1539), dem in mystischer Offenbarung die Lehre von der Überwindung der Selbstsucht durch die Verehrung der Namen Gottes zu Teil wurde, kommt als erstem Lehrer besondere Bedeutung zu.

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Günter Figal
Erscheinungsdinge
Ästhetik als Phänomenologie

Die Betrachtung von Kunst, die weder direkt von Nutzen ist, noch eine Handlung im eigentlichen Sinne darstellt, ist in ihrer Passivität doch voll von Spannung und Leben. Sie ähnelt dem „unbefangenen, absichtslosen Hinschauen“ der Philosophie, die seit jeher, trotz eines eindeutigen Mangels an Nutzenorientiertheit, menschliches Verhalten und das Verhalten in ganzen Kulturen leitete.
Bereits in der Antike wird gestritten ob Kunst, vor allem Dichtung, Wissen ist und somit der Philosophie gleich kommt oder, wenn man Platon folgt, als Tand und Zeitverschwendung zu bezeichnen ist, die gefällt, aber nicht erhellt.
Die „gelassene Moderne“ hat dem Autor zu Folge keinen Grund mehr, sich mit der Tradition zu messen, Grundsätze anzuzweifeln oder neu aufzustellen. Damit geht aber auch ein relatives Desinteresse für die philosophische Betrachtung der Kunst einher. Günter Figals Erscheinungsdinge will diesem Mangel entgegenwirken, indem es die Kunsterfahrung als direkt auf den Grund des philosophischen Denkens führend beschreibt.
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Yomb May
Georg Forsters literarische Weltreise
Dialektik der Kulturbewegung in der Aufklärung

Georg Forsters „literarische Weltreise“ ist ein zweifacher Brückenschlag. Zunächst ist sie eine Vermittlung zwischen Europa und der Südsee seiner Zeit. Weiter verbindet der Bericht das heutige Selbstverständnis Europas, als Kultur der Aufklärung, mit ihren Wurzeln Der Bericht des Entdeckers und frühen Vertreters der Ethnologie und Ethnographie wird vom Autor als Dialektik des europäischen Aufklärungsprojektes im Spiegel der Südsee-Entdeckung gelesen und wird somit zur Grundlage eines kritischen Diskurses zu Europa und seiner Fremdwahrnehmung.
Forsters Leben (1754-1794) liest sich wie ein Abenteuerroman. Er nahm Teil an der zweiten Weltumsegelung von James Cook (1772-1775) und war der Vorreiter in der ethnologischen Erfassung der Südsee. In Deutschland war er Mitbegründer und Vizepräsident der Mainzer Republik, nachdem die napoleonische Armee die Stadt besetzt hatte. Mit dem Rückzug Napoleons musste auch Forster, den die Reichsacht Kaiser Franz II. getroffen hatte, den revolutionären Truppen nach Paris folgen. Die Schreckensherrschaft der Jakobiner unter Robespierre vor Augen, starb er im Alter von 40 Jahren in Paris an einer Lungenentzündung, ohne das er sich von der Revolution distanziert hätte.
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Ibn Khaldun
Die Muqaddima
Betrachtungen zur Weltgeschichte

Übertragung aus dem Arabischen und Einführung von Alma Giese

„Dies ist die Komposition Ibn Khalduns, der das Zepter des Sieges auf dem Felde des diskursiven Denkens errungen hat.“ Diese Zeile ziert die letzte Seite der Autobiographie Ibn Khalduns und obwohl nicht bekannt ist, wer sie schrieb, steht sie exemplarisch für die Bedeutung, die er als Philosoph und Begründer von Wissenschaft in der arabischen Welt seit dem ausgehenden 14. Jahrhundert eingenommen hat.
Die Muqaddima, Einführung zu seinem Hauptwerk, die Universalgeschichte, ist eine umfangreiche, theoretische Reflektion über die „Natur von Kultur“ oder Beschaffenheit von Geschichte, in deren Mittelpunkt der Mensch steht. „Die neue Wissenschaft“ wie Ibn Khaldun sein Werk nennt, lässt sich aufgrund seiner Originalität nicht einem einzelnen Fachbereich wie Politik, Historiographie, Philosophie, Theologie oder Wirtschaft zuordnen, sondern untersucht die Gesamtheit der physischen und metaphysischen Einflüsse, die den Menschen zu seinem Handeln führen, was das große Interesse der im 19. Jahrhundert entstehenden Soziologie an Ibn Khalduns Werk verständlich macht.
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Mystik.
Die Sehnsucht nach dem Absoluten

Herausgegeben von Albert Lutz

Weise und Mystiker, die einen direkten Weg zu Gott suchen, behaupten in allen religiösen Traditionen Asiens und Europas während der letzten 2000 Jahre ein bedeutenden Rang. Diesen Zeitraum deckt die weltweit erste Kultur vergleichende Ausstellung zum Thema Mystik im Rietberg Museum in Zürich ab. Die Aussteller beabsichtigen dabei keine Definition des fragwürdigen Sammelbegriffs der Mystik, sondern zeigen anhand von vierzig Fallbeispielen, teils berühmter, teils weniger bekannter geistiger Meister einen exemplarischen Querschnitt der mystischen Befassung durch die Kulturen und die Jahrhunderte hinweg.
Spirituelle Gelehrte, Heilige und Meister haben sich künstlerisch, in dem Wunsch ihre besonderen geistigen Erfahrungen weiterzugeben, vor allem der Poesie gewidmet oder auch selbst Dichtern, Bildhauern und Malern als Motiv gedient. Die Ausstellung befasst sich mit dieser immens wichtigen Inspirationsquelle und mit dem geistigen Hintergrund asiatischer und europäischer Kunst. ...
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Axel Honneth
Das Recht der Freiheit
Grundriß einer demokratischen Sittlichkeit

Freiheit, besonders individuelle Freiheit als Schlüsselidentifikation des postmodernen Menschen, lässt sich nicht rechtlich, normativ oder politisch erreichen, sondern muss in sozialer Praxis und in sozialen Kämpfen entstehen und erfochten werden. Die Philosophie kann dabei versprachlichen und verfeinern und eine Analyse der gesellschaftlichen Reproduktionsverhältnisse und ihrer moralischen und ethischen Implikationen beisteuern. Axel Honneth (geboren 1949), Schüler von Jürgen Habermas und Vertreter der „Frankfurter Schule“ beginnt seine Abhandlung des Freiheitsbegriffs mit der Frage: Was ist gerecht? In der Antike noch mit der leicht nachzuvollziehenden Absichtsbekundung, jedem das seine zu geben, entschieden, fällt das Urteil heute weit weniger deutlich aus. ...mehr

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Jan Assmann
Religio duplex.
Ägyptische Mysterien und europäische Aufklärung

Ein „hockaktuelles Angebot zu Frieden und Verständigung unter den Religionen“ sei das Konzept der religio duplex, das in allen großen Religionen eine Zweiteilung erkennt. Nur die sichtbaren, exoterischen Seiten der Religionen, die offenbarten Religionen unterscheiden sich voneinander. Die esoterische Seite dagegen – der Autor nennt sie die natürliche Religion oder Religion der Philosophen – eint Judentum, Christentum und Islam mit den ägyptischen oder griechischen Polytheismen, die alle das Heraklit´sche hen kai pan, die All-Einheit suchen.

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Stanley Cavell
Cities of Words.
Ein moralisches Register
in Philosophie, Film und Literatur

Aus dem amerikanischen Englisch übersetzt und eingeleitet
von Maria-Sibylla Lotter

 

Wenn die ganze Welt von Filmen fasziniert ist, warum beschäftigt sich dann die Philosophie nicht mit der Frage, was die Menschen an ihnen finden?
Der US-amerikanische Philosoph Stanley Cavell (geboren 1926) beklagt, dass die moderne Philosophie sich nicht mehr mit den wichtigen Themen, den lebensnahen, wenngleich unsicheren Fragen und Problemen auseinandersetzt und sich stattdessen mit allgemeinen Begriffsklärungen aufhält.
Cavells Philosophie rückt das Betrachten selbst in das Zentrum des Interesses und hier spannt sich der Bogen zum Film. Als Teil der Künste, neben Bildender Kunst, Literatur und Musik, lässt der Film den Menschen intuitiv erfassen, betrachten und kontemplieren. Sein „moralischer Perfektionismus“ will weg vom Dogma und einer argumentativ und ergebnisorientierten Belehrung. Viel zu ungenau ist Sprache und die Beziehung zwischen Gesagtem und Gemeintem, als dass sie eine allgemeingültige und von jedem verwertbare Erkenntnis hervorbringen könnte. Fragen und Themen und ihre Bearbeitung in der Diskussion sollen dagegen gedankliche Möglichkeiten oder Hindernisse aufzeigen und einer kritischen Beschäftigung mit dem Selbst und seiner Einbindung in Konventionen und Überzeugungen dienen.  ...
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Al-Suhrawardi
Philosophie der Erleuchtung - Hikmat al-ishraq
Aus dem Arabischen übersetzt und herausgegeben
von Nicolai Sinai

Die Lichtsymbolik hat im zoroastrischen „Glücksglanz“, im koranischen „Lichtvers“ und in der neuplatonischen Lehre ihre Bezugspunkte. Shihab al-Din al-Suhrawardi macht sie in seiner philosophischen Abhandlung darüber hinaus zum Grundbaustein seiner kosmologisch-anthropologischen Weltschau.
Lange hat die westliche Philosophieforschung die Bedeutung der arabisch-muslimischen Philosophie nur in der Funktion der Übermittlung griechischer Texte von Aristoteles bis Platon an die abendländische Geisteswelt gesehen. Man gestand ihr eine lediglich konservierende Wirkung zu und sprach ihr jegliche Innovation und inhaltliche Beschäftigung mit dem antiken Gedankenschatz ab. Erst in der mittelalterlichen Scholastik sah man den unterbrochenen Geistesfluss fortgesetzt.
Die Übermittlung aristotelisch-neuplatonischer Philosophie erfolgte maßgeblich über die zwei arabischen Gelehrten, Ibn Sina / Avicenna (gest. 1037) und Ibn Rushd / Averroes (gest. 1198). Mit dem Tod des Letzteren, diagnostizierte man ein Ende der arabischen Philosophie griechischer Prägung. Nicolai Sinais Neuübersetzung der Philosophie der Erleuchtung von al-Suhrawardi, eines Zeitgenossen von Averroes, widerspricht dieser These.
Nach dem Tod al-Suhrawardis, den Saladin hatte hinrichten lassen, war sein philosophisches Hauptwerk Hikmat al-ishraq Gegenstand einer philosophischen Debatte, die man als einen in der Tradition der Antike stehenden Zweig arabischer Philosophie bis ins 19. Jahrhundert weiterverfolgen kann. ..
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Jacques Derrida
Das Tier, das ich also bin.

Philosophie ist, die richtigen Fragen zu stellen: Was ist die Welt? oder Was ist der Mensch? Diese zentralen philosophischen Fragen sind die konkretesten und allgemeinsten zugleich und ihnen zugrunde liegt die Frage nach dem Sein.
Derrida, Begründer und wichtigster Vertreter der Dekonstruktion nähert sich den Fragen auf indirekte und unerwartete Weise. Das Tier, das ich also bin ist ein 1997 gehaltener Vortrag, der sich aufgrund seiner Länge, dem von einem Audiomitschnitt transkribierten Nachtrag und dem Anmerkungsteil auf 275 Seiten erstreckt. Das sollte nicht darüber hinwegtäuschen, dass Derridas letztes großes Projekt, das Tier als Antagonisten des Menschen zu dekonstruieren und ihm eine Philosophie im Angesicht des Tieres entgegenzustellen, unvollendet blieb.
Jacques Derrida entdeckt in der Philosophie von Aristoteles bis Heidegger, von den Idealisten bis zu den Realisten zu der Frage nach dem Sein, neben bloßen Dogmen, die keine wirklichen philosophischen Erkenntnisse darstellen, den Versuch, mit der Unterscheidung zwischen Mensch und Tier über die schuldig gebliebene Antwort hinwegzutäuschen. Die Abgrenzung zum Tier, der Negativschluss, wird dabei in der abendländischen Philosophie zum, den Menschen, konstituierenden Mittel. ...
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    Boris Roman Gibhardt
Das Auge der Sprache
Ornament und Lineatur bei Marcel Proust

Das monumentale, siebenbändige Hauptwerk Marcel Prousts, Auf der Suche nach der verlorenen Zeit, ist eine fiktive Autobiographie, die ihr Leitmotiv aus der Anstrengung bezieht, die es kostet, sich gegen das Unvermögen zu lückenlosem Erinnern aufzulehnen und eine Version der Wirklichkeit zu erinnern, zu formulieren und festzuhalten.
Die vorliegende Arbeit problematisiert die Verknüpfung von Bild und Sprache in Prousts Schreiben. Indem der Autor die Erinnerung genauer als Wahrnehmung der Vergangenheit fasst, verschiebt er den Blickwinkel auf die Proust´sche Ästhetik und ermöglicht eine tiefergehende Interpretation. Das Subjektive der Wahrnehmung und die Imagination einer ganz eigenen Wirklichkeit werden zum grundmenschlichen Versuch, die Trennung zu der Welt der Erscheinungen zu überbrücken.
Bildlichkeit und bildhafte Sprache verleihen der subjektiven Imagination der Wirklichkeit Raum zur Entfaltung und in der Sprache selbst vollendet sich die Erfahrung dieser Wirklichkeit. ...
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    Thomas Schölderle
Utopia und Utopie.
Thomas Morus, die Geschichte der Utopie
und die Kontroverse um ihren Begriff.


Thomas Morus erschuf zu Beginn des 16. Jahrhunderts die fiktive Insel Utopia, und gab damit, der von Platon mit der Politeia initiierten Tradition der Vision einer idealen Gesellschaft einen eigenen Begriff. Seither steht Utopia und die Utopie für vieles: Der positiven Konnotation von Utopia als idealem, fast paradiesischem Zustand des Zusammenlebens, steht die Kritik entgegen, die in dem Begriff den gedanklichen Vorläufer der großen totalitären Systeme des 20. Jahrhunderts sieht. Im Volksmund schließlich wird das Utopische schlicht als Synonym für das Unmögliche und Realitätsferne gebraucht.
Thomas Schölderle versucht in seiner Dissertation eine Begriffsklärung. Morus ist für ihn der Kulminationspunkt, nicht nur als Wortschöpfer. In seinem Utopia sind bereits die verschiedenen Facetten des Begriffs und seine Ambivalenz angelegt. ...
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    Peter Heather
Invasion der Barbaren
Die Entstehung Europas im ersten Jahrtausend nach Christus

Aus dem Englischen von Bernhard Jendricke, Rita Seuß,
Thomas Wollermann.


Lange herrschte in der europäischen Geschichtsschreibung bei dem Stichwort Völkerwanderung das Bild einer mehr oder weniger planlosen Massenmigration von barbarischen Völkern vor, die im 1. Jahrtausend das mittelmeerische Imperium der Römer durch ihr „Einsickern“ zerschlugen und auf deren völkische Besonderheiten sich die Gründungsmythen zahlreicher moderner europäischer Staaten stützen. Dem setzt Heather die These von einem einheitlichen Reaktionsmuster der kleinen, unentwickelten politischen Einheiten des barbarischen Europa entgegen, die mit ihrer kulturellen, wirtschaftlichen und politischen Kraft auf die Ungleichheit der antiken imperialen Ordnung antworteten und neue Gruppenidentitäten schufen. Die Massenmigration stellt er nicht in Frage, aber er sieht in ihr nicht die Ursache des Wandels, sondern seine Folge.
Ein Blick in das Inhaltsverzeichnis macht den Anspruch einer Gesamtdarstellung deutlich: Migration und Staatenbildung von Hunnen, Germanen, Slawen und Wikingern zeichnen das Bild einer ersten, sich vor dem Hintergrund von erstarkenden Erbdynastien abzeichnenden europäischen Einheit. Durch Handel, auch mit außereuropäischen Reichen, wie Byzanz und den Kalifaten des Nahen Ostens, neue Waffentechnologie und das Aufkommen der Burgenarchitektur stellten sich Reichtum und Sicherheit eines nicht geographisch, sondern kulturell-militärisch bestimmten Mitteleuropas ein.
Den Begriff des Barbaren, in der Antike ein Pejorativ, benutzt Heather wertfrei. So vermittelt er kein Bild von wilden unzivilisierten Volksmassen. Ebenso wenig stützt er die soziologische These eines relativ friedlichen durch Migration erzwungenen Übergangs zu neuen Herrschaftsformen. ...
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    Karen Gloy
Philosophiegeschichte der Zeit

Die Philosophie der Zeit ist unumstößlich von Platons Zeit-gedanken geprägt, ein (in sich) bewegtes Abbild des im Einen verharrenden Ewigen wie er ihn im Timaios gefasst hat und wie er in über zwei Jahrtausenden aufgegriffen, modifiziert oder in Theorien polemisch gegen ihn gewendet wurde. Die Bezugnahme ist selbst dort noch zu spüren, wo der Traditionszusammenhang verlassen wird und neue Themen auf den Plan kommen. Ihre Interpretationen der Zeittheoretiker, der Vorsokratiker, von Platon, Aristoteles, Plotin, Augustinus, Newton, Kant, Husserl und Heidegger stellt Karen Gloy in diesen philosophie-geschichtlichen Rahmen.
Wenn die Vorsokratiker in ihrem mystisch-zyklischen Zeitbild die Gestalt der Zeit als gleichzeitiges Existieren in ewiger Präsenz fassten und das klassische, mentale Denken sein Konzept im Linearen und Relativistischen verankerte, so würde die Autorin die Idee der Zeitgestalt der Postmoderne eher als Rhizom  wiedergeben.
In den vorliegenden einzelnen Essays verdichtet Gloy die Fülle der Zeitvorstellungen aus Physik, Psychologie, Ethnologie, Kunst und Sprachwissenschaften und schlägt einen großen Fächer von heterogenen Zeitbegriffen unterschiedlicher Völker, Kulturen und Epochen auf. Doch schließlich zeigt sie, wie wenig fassbar, bestimmbar, Zeit als solche ist und wie die Auffassung der Zeit vor dem
Hintergrund des jeweiligen geschichtlichen Bewusstseins in ihren Interpretationen changiert.
 
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Pierre Clastres
Archäologie der Gewalt
Aus dem Französischen von Marc Blankenburg.

Für diesen Band, der  innerhalb der Reihe Transpositionen bei Diaphanes erschienen ist,  wurden vier Essays Clastres’ aus den Jahren 1969 bis1977, die  posthum  in Recherches d`’anthropologie politique veröffentlicht wurden, ausgewählt.
Clastres’ Argumente für seine Grundthese über staatenlosen Gemeinschaften, für die er den Krieg als abgrenzendes Instrument ausmacht, um die Entwicklung staatlicher Institutionen zu verhindern und die Integrität der Gemeinschaften zu bewahren, stellt sich ganz in den Mittelpunkt der vier Aufsätze. Vielleicht hat diese Analyse heute eine größere Bedeutung für die Geschichte der Anthropologie, als dass sie, wie in den 1970iger Jahren, buchstäblich bahnbrechend für die Disziplin wäre. Doch Clastres Rolle als Vorreiter tritt in seinem Essay Ethnozid sehr klar zu Tage. Hier geht es um den Produktivitätswahn der Industriegesellschaften, die Hierarchie der Kulturen, die Gewalt des Überlegenen, die ethnozidäre Praxis vieler Staaten mit dem Zwang alle kulturellen Unterschiede einzuebnen, auch durch Genozide und Ethnozide. Und wie in einer Rückschau sieht man die Wälder, Arten, Menschen und Kulturen verschlingende Globalisierung der widerständigen, inneren Logik der segmentären Gemeinschaften gegenübergestellt.

 

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Josef  Peter Jeschke, Hans-Joachim Simm (Hg.)
Feste und Feiertage der Religionen der Welt
Kalender für das Jahr 2009

Authentische Textzeugnisse aus den Religionen der Welt und ein auffallend reicher Bilderschmuck machen das knapp 250-seitige Kalenderbuch zu einem multireligiösen Brevier. Jede Kalenderwoche wird von einem Text und einer zugehörigen Illustration gerahmt, die eines der im Kalendarium vermerkten Daten herausheben. Die wichtigsten Feste und Feiertage der Weltreligionen – des Christentum, des Judentum, des Islam, des Hinduismus, des Buddhismus und anderer Religionen – werden durch je eine eigene Farbe ausgewiesen; die unter andere zusammengefassten Religionen, wie Jainismus, Jesidentum, Zoroastrismus, Shinto oder Bahai teilen sich eine gemeinsame farbliche Kennzeichnung.

Mit einem Fußbodenmosaik aus einer Synagoge, der Abbildung eines chinesischen Mondkalenders, einem Vers aus einer Koransure und einer Textstelle aus der Genesis beginnt der Kalender, eine Nachbemerkung zur Bedeutung des Festes im Allgemeinen und kurze Erläuterungen zu den verschiedenen Kalendersystemen beschließen ihn.

 

 

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  Dominique Bourel:
Moses Mendelssohn.
Begründer des modernen Judentums.
Eine Biographie


Für seine 2004 auf Französisch und jetzt auf Deutsch erschienene Biographie Moses Mendelssohns wurde Dominique Bourel 2005 mit dem deutsch-französischen Parlamentspreis ausgezeichnet. Fein zeichnet er Mendelssohns Lernjahre in Dessau, seinen Umzug ins Berlin Friedrichs II, das Gewebe der Beziehungen zu den Denkern seiner Zeit. Über 600 Seiten vermag er es, den Leser mit der Geschichte des Sohnes eines einfachen Thora-schreibers zu fesseln, des Mannes, dem Gotthold Ephraim Lessing mit seinem „Nathan der Weise“ ein Denkmal setzte. Mendelssohns „Phädon“, dem meistgelesensten Werk der deutschen Aufklärung, widmet Bourel ein ganzes Kapitel und „belegt damit die Verwandlung des 'Mosche  Dessau’ in den deutschen Platon und den Sokrates von Berlin“.
Ein Schatz für sich ist der 200-seitige Anhang des Buches mit Anmerkungen, Quellen-Nachweis, Bibliographie und Personenindex.
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Richard Rorty
Philosophie als Kulturpolitik
Aus dem Amerikanischen von Joachim Schulte 

Rorty sucht die Philosophie pragmatisch zu verorten: Was kann die Phantasie der Intellektuellen, die im Sinne des Common sense materialistisch und utilitaristisch denken, heute noch an der philosophischen Literatur fesseln? In der vorliegenden Sammlung, die philosophische Texte über die Zeitspanne von 1996-2006 enthält und von Rorty selbst zusammengestellt wurde, spannt er einen weiten Bogen von den Vorsokratikern, Naturalisten, Moralphilosophen, zur analytischen Philosophie, um in Anlehnung an den Pragmatismus von Wittgenstein, Dewey, James, Peirce, die Kulturpolitik an die Stelle der Ontologie zu setzen. Erkenntnissuche ist absolut passé und angelehnt an den späteren Wittgenstein, der das Ziel in der Philosophie darin sah, der Fliege den Ausweg aus dem Fliegenglas zu zeigen, will Rorty einen solchen Ausweg in den Errungenschaften des Liberalismus aber ohne den ihn begleitenden Rationalismus finden.
Er führt uns, belesen und in einer mitnehmenden Leichtigkeit, durch alternative philosophische Systeme der Jahrhunderte. In seinem, bisher unveröffentlichten Text, „Pragmatismus und Romantik“ geht er der romantischen These nach, die Natur selbst sei ein von uns Menschen geschriebenes Gedicht. Man fühlt sich an den Wittgenstein’schen Satz erinnert  Die Menschen heute glauben, die Wissenschaftler seien da, sie zu belehren, die Dichter und Musiker etc., sie zu erfreuen. Dass diese sie etwas zu lehren haben, kommt ihnen nicht in den Sinn.

An anderer Stelle erteilt Rorty den Vertretern eines Wiederauflebens der Moralphilosophie eine lakonische Absage, räumt ihnen in Institutionen wie Krankenhäusern durchaus einen Platz ein und gesteht zu, sie bräuchten sich über ihren Platz am öffentlichen Futtertrog ebenso wenig Rechenschaft abzulegen wie Kollegen anderer Geisteswissenschaften, nur wer das kantianische Ross bestiege, den sollen wir mit Argwohn betrachten.“
In Rortys Lesart eines „Liberalismus ohne Rationalismus“, ist das „kantianische Ross“ allerdings nicht so fern wie er es gerne gesehen hätte: Wenn wir im Westen es schafften - so Rorty - uns von der Vorstellung der durch Zugehörigkeit zu unserer Spezies erzeugten universellen Moral zu lösen und diese Vorstellung durch den Gedanken zu ersetzen, dass wir eine Gemeinschaft des Vertrauens zwischen uns und anderen aufbauen, wären wir vielleicht besser imstande, Nichtabendländer von den Vorteilen eines Beitritts zu dieser Gemeinschaft zu überzeugen. Im Dialog mit den Nichtabendländern –  dieses Wort hätte gut zu einem Unwort einer der vergangenen Jahre werden können – könnte der Westen, der von der Prämisse ausgehe
von einer universellen menschlichen Fähigkeit, der Vernunft, einen besseren Gebrauch zu machen, dadurch ersetzt werden, dass man lehrreiche Geschichten darüber erzähle wie es bei uns im Westen aussehe, weil wir keine Sklaven mehr halten, mit der Ausbildung der Frauen begonnen haben, Kirche und Staat trennen, usw..
Jürgen Habermas hat in seiner Laudatio anlässlich der Verleihung des Meister-Eckhart-Preises an Rorty, dies so zum Ausdruck:
Das Außeralltägliche der existentiellen Lebensentwürfe
muss (bei Rorty) allerdings mit den Gerechtigkeitsforderungen des politischen Liberalismus und mit den Aufgaben des demokratischen Intellektuellen in Einklang bleiben. Dem Leser könnte allerdings in den Sinn kommen, dass er sich mit einem flüchtigen Pragmatismus eingelassen und vielleicht vorschnell Metaphysik und Epistemologie über Bord geworfen hat

 

 

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Martin Kämpchen (Hg.):
Shri Ramakrishna.
Gespräche mit seinen Schülern
 

Shri Ramakrishna (1836-1886), der heute von vielen Hindus in Indien und der ganzen Welt als Avatara, als göttliche Inkarnation, verehrt wird, bezeichnete sich selbst, in Ablehnung von Titeln wie Guru oder Meister, als Staub vom Staub auf den Füßen der Bhaktas, der Gottliebenden. Der aus ärmlichen bäuerlichen Verhältnissen in Westbengalen Stammende, folgte seinem älteren Bruder in den Kali-Tempel von Dakshineshvar bei Kalkutta, dessen Priester er 1856, nach dem Tod des Bruders, wurde. Zwölf Jahre lang unterzog er sich den Übungen von Lehrern und Lehrerinnen der unterschiedlichsten Glaubensrichtungen, einschließlich christlicher und islamischer, und gelangte auf all diesen Wegen zur Gotteserfahrung. Die Wirkung seiner häufigen, von körperlichen Zusammenbrüchen begleiteten Ekstasen und Visionen auf seine Zeitgenossen war durchaus widersprüchlich: Eines Morgens kam in einer klapprigen Pferdekutsche ein unordentlich ausschauender junger Mann, ungenügend gekleidet und mit einem weniger als ungenügenden Benehmen. Er wurde uns als Ramakrishna, der Paramahamsa von Dakshineshvar, vorgestellt. Seine Erscheinung war so anspruchslos und einfach, …Doch bald begann er sich in einem tranceähnlichen Zustand zu unterhalten, wobei er von Zeit zu Zeit gänzlich bewusstlos wurde. Was er sagte war jedoch so tief und schön, dass wir bald erkannten, dass er kein gewöhnlicher Mensch war. Die in diesem Band vorgestellten Gespräche mit seinen Schülern, wurden von Mahendranath Gupta, einem Schulleiter aus Kalkutta aufgezeichnet, der Shri Ramakrishna regelmäßig besuchte, auf seinen Ausflügen begleitete und einen präzisen Eindruck von dem Kreis der Menschen gibt, der den Heiligen umgab. Ein Glossar der religiösen Begriffe, der Alltagsbegriffe und der Namen und vor allem der ausführliche Kommentar des Übersetzers und Herausgebers haben ihren Anteil an dieser schönen Ausgabe.
 

 

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  Ernst Bloch
Der unbemerkte Augenblick
Feuilletons für die
"Frankfurter Zeitung" 1916-1934


Liegt es an den Autoren, am Publikum oder an den Redakteuren? Der größte Teil der 63 Feuilletons Ernst Blochs würde heute in keiner der großen deutschsprachigen Zeitungen abgedruckt werden. Natürlich ist es anspruchsvolle Kost und auch Siegfried Kracauer, seiner Zeit Feuilletonredakteur der Frankfurter Zeitung – nach Bloch das Urblatt der Gediegenheit – nahm nicht alles, was der Philosoph ihm schickte. Die Essays und Anekdoten, die Landschafts-, Zeit- und Gesellschaftsbilder, die Besprechungen und kleinen Stücke taugen nicht als Unterhaltungslektüre. Blochs Sprache schreckt vor keinem Verständigungswagnis zurück und spürt das Tiefe und Bedeutungsvolle unter jeder Oberfläche auf: das affektive Erlebnis einer frühesten Morgenstunde, das Lesen in der uralten, mythologisch durchfurchten Landschaft des Brockens oder im wässrigen, jung besiedelten Kolonistenland Brandenburgs, in dem Berlin, ohne im geringsten über sich täuschen zu könnendas Gespenst einer besseren Zukunft sein könnte. Auch die Verteidigung Karl Mays - einer der besten deutschen Erzähler - gegen seine bürgerlichen Kritiker, allerdings nur des Karl May bis zum Reich des silbernen Löwen!? Ein Ende 1927 erschienener Essay, Der unbemerkte Augenblick, der auch dieser Sammlung den Titel gibt, gehört zu sechs hier abgedruckten Neufunden. Es ist eine Art Kontemplation über die Schwierigkeit, den gegenwärtigen Moment wahrzunehmen, sich zum großen Jetzt konkret zu verhalten und vielleicht das Eindrucksvollste dieser nicht leicht und dennoch mit großem Genuss zu lesenden philosophischen Feuilletons.

 

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Literatur in Berlin: www.literarisches-berlin.de  © 2008-2011 yuba edition / Brigitte Pross-Klappoth (Berlin)
 Fotos © B.Pross-Klappoth (wenn nicht anders angegeben)
 Stand: 09. Mai 2012