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Empfehlungen



Gabriele Münnix (Hg.)Über-Setzen
Sprachenvielfalt und interkulturelle Hermeneutik
Verlag Karl Alber 2017

 



Sangyeon Kim
Die Erfahrung der Natur
Zur Erläuterung der ästhetischen Dimension der Naturerfahrung
Verlag  König & Neumann, 2017
 



Seneca
Glück und Schicksal
Philosophische Betrachtungen
Phillip Reclam Verlag 2017
 


Herausgegeben von Christian Benne
und Claus Zittel

Nietzsche und die Lyrik – Ein Kompendium



J.B. Metzler Verlag, 2017
 

Die berühmte Selbstkritik Nietzsches „Sie hätte singen sollen diese „neue Seele“ und nicht reden!“ dient den Herausgebern des Nietzsche-Kompendiums als Leitgedanke, an dem sie die Wichtigkeit, die Nietzsche der Lyrik beimaß, verdeutlichen. Und sie hat ja tatsächlich gesungen! Nicht nur ein Oeuvre von über 700 Gedichten stammt aus Nietzsches Feder; viel bedeutsamer ist, dass er die Dichtung als einen unersetzlichen Bestandteil seiner philosophischen Gedankenfassung angesehen hat.
Christian Benne und Claus Zittel betonen, dass Nietzsches Überlegungen zu den Zusammenhängen zwischen Musik, Tanz, Rhythmus, Lied und Sprache eine Theorie der Dichtung begründet haben, die zusammen mit seinen Gedichten nachhaltigen Einfluss auf spätere Generationen von Dichtern wie Linguisten genommen hat. Ist er neben dem philosophischen Renommee, das er genießt, also auch ein großer Lyriker? Es ist noch mehr als das. So wie Nietzsches Umgang mit Sprache und Lyrik zukunftsweisend waren, so greift er hier eine sehr alte Diskussion auf, die so gar nicht zu der aufgeklärten Wissenschaftlichkeit passt, der auch die Philosophie folgt. In dem antiken Streit, ob in den Dichtern Wortverdreher zu sehen sind, die die Wahrheit verklären oder gerade das Gegenteil, Mediatoren, die es verstehen eine höhere Wahrhaftigkeit zu vermitteln, bezieht Nietzsche eindeutig Position.

Nietzsches Philosophie entsteht wie seine Dichtung im Spannungsfeld zwischen Wissenschaft und Kunst. Und es ist seine Suche nach der eigenen Sprache, die ihn über das so begrenzende Wort hinaus zur Dichtung und damit zur Kunst führt. In der lyrischen Prosa von „Also sprach Zarathrusta“ verbirgt sich so, über eine bloße Ästhetik hinaus, der Versuch der Umsetzung einer solchen Sprache, die das Wesentliche direkt enthüllt.

In 27 Einzelbeiträgen trägt dieser Band Interpretationen einzelner Gedichte und Essays, die das lyrische Vermächtnis Nitzsches breiter, in verschiedenen Schaffensphasen untersuchen, zusammen. Dichterischem aus dem Umfeld von „Also sprach Zarathustra“ und den „Dionysos-Dityramben“ sind je eigene Abschnitte gewidmet und in dem abschließenden Teil spannt der Band einen Bogen von antiken Stichwort-Gebern, wie Simonides und Horaz, bis zu den Wellenbewegungen, die Nietzsches Dichter-Philosophie ausgelöst hat und deren Spuren sich bei Dichtern wie Gerog Heym, Gottfried Benn oder Stefan George finden.  (hk)


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Literatur in Berlin: www.literarisches-berlin.de  © 2008-2017 yuba edition / Brigitte Pross-Klappoth (Berlin)
 Fotos © B.Pross-Klappoth (wenn nicht anders angegeben)
 Stand: 21. Februar 2018