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Ein Mädchen ist eins mit ihrer Waldumgebung. Anstatt zu sprechen befreundet sich Patricia mit den Bäumen, ihren Früchten, Zweigen, Blättern und Rinden, und ist ihnen näher als den sie umgebenden Menschen. Aus diesem Setting erwächst, wie aus einem Samenkorn, dieser Baumroman. Die spätere Forstwirtschaftlerin weiß schon als Kind um die Geselligkeit der Bäume, lange bevor sie sie wissenschaftlich erforscht hat und bevor sie dem „Wohlfahrtsstaat“ auf die Spur kommt, den sie unterirdisch bilden. Ein weit ausgreifendes Netz von Wurzel- und Pilzgeflechten dient als Leitungssystem für Informationen und Hilfsleistungen, die das einzelne Baumindividuum mit dem Wohl und Wehe des ganzen Waldes verbinden.
Ein anderes gleichfalls unsichtbares und potenziell weitläufiges Netzwerk, das der symbiotischen Gemeinschaft der Bäume ähnelt, verbindet Menschen, die im Begriff sind, sich in „grünere Wesen“ zu verwandeln. Sie werden in eine Art seelische Verwandtschaft, in eine Schicksalsgemeinschaft mit den Bäumen hineingerissen. Häufig sind es Unfälle oder besondere Einschränkungen, die solche Verwandlung befördern, wie bei Menschen, die, bewegungs- und sprachunfähig geworden, ihre Verwandtschaft mit den Bäumen existentiell erleben oder die buchstäblich sterben müssen, bevor sich ihnen die Welt der Bäume öffnet. Nick dagegen, ein Künstler, dessen Bauminspiration in ununterbrochener Linie auf den Urururgroßvater zurückgeht, taucht aus einer ganzen Flut leidvoller Erfahrungen auf, indem er riesige himmelstürmende Baumskulpturen schafft, als wolle er die Dichterworte, „Bäume sind der Erde endloses Bemühen, mit dem lauschenden Himmel zu sprechen“, in ein Bild fassen.
Es ist in diesem Buch die Rede von einer neuen Arche – einer für Pflanzen, weil Noah sie vergessen hat, von Menschen, die ihren Gärten und Wäldern Lieder vorsingen, von turmhohen, in Jahrhunderten gewachsenen Mammutbäumen, die zu schade und zu unverstanden sind, um als Bretter zu enden, von der gerupften Erde, die entlang der Highways schamvoll hinter meilenlangen Korridoren aus Baumstatisten verborgen wird, von Dow Chemical, Monsanto und Agent Orange und von einer guten Handvoll Baumindividuen. Sie sind die Paten, die die Frauen und Männer im Zentrum dieses Romans auf dem Weg in ihren „heiligen Alptraum“ begleiten – eine große, mit Wissenschaft und Mystik, mit Pathos und Poesie erzählte Geschichte, die nicht nur in den kalifornischen Waldbränden und den Kämpfen um den Hambacher Forst ihren aktuellen Wirklichkeitstest erlebt.  
(ak) 

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Literatur in Berlin: www.literarisches-berlin.de  © 2008-2017 yuba edition / Axel Klappoth (Berlin)
 Stand: 28. Januar 2019