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Döblin. Eine Biographie
 

Carl Hanser Verlag, 2011
 

Der als einer der ersten Exilautoren schon 1945 zurückgekehrte Alfred Döblin (1878-1957) konnte als Jude, Linker und Schriftsteller, noch dazu in der Uniform eines Literaturinspekteurs der französischen Militärverwaltung, nicht unbedingt auf einen warmherzigen Empfang hoffen. Aber die Eiseskälte, die ihm, wie später der gesamten Exilantengemeinde im westlichen Deutschland entgegenschlug, muss ihn schwer getroffen haben.
Seinem 1949 erschienenen, 4-bändigen, Revolutionsroman November 1918 blieb der große Erfolg versagt. Zudem trieb ihn seine Intimfeindschaft zu Thomas Mann zu den merkwürdigsten, ans Skandalöse grenzenden, Nachstellungen, was ihm von Erika Mann den Vorwurf eines „hysterisch blökenden Neidhammels“ eintrug. Auch seine Konversion zum Katholizismus, 1941 in Frankreich, und die Zensortätigkeit für die französische Verwaltung scheinen der Rezeption seines Werkes eher geschadet zu haben.
Nach den zwölf Exiljahren in der Schweiz, Paris, Südfrankreich, Lissabon und Hollywood betrat der Autor von Berlin Alexanderplatz 1947 erstmals wieder die Stadt, die ihm vor allen zwischenzeitlich erlebten Metropolen die liebste geblieben war. Das Haus Frankfurter Allee 340 in Lichtenberg, lange Zeit Wohnung und Arztpraxis Döblins und Schauplatz, an dem er die Revolutionskämpfe von 1918 erlebte, war ausgelöscht. Mit den Worten „Ich bin wie Diogenes mit der Laterne, ich suche und finde nichts“ beschrieb der 69-jährige seine Wiederbegegnung mit dem Alexanderplatz.

1953 re-emigriert Döblin, - nach seinem Biographen ein jüdischer Kleinbürger und französischer Offizier, Kassenarzt und Mystiker, Gottsucher, Expressionist, Surrealist, Berliner Homer und Emigrant – begleitet von den bedauernden und freundschaftlichen Worten des Bundespräsidenten Theodor Heuss nach Frankreich und bleibt dort bis 1956. In die Bundesrepublik kehrt er nur noch zum Sterben zurück.

Diese mehr als 900 Seiten umfassende Biographie ersetzt eine schmale, 2007, erschienene Arbeit und macht Lust, das fast 40-bändige Werk Döblins neu zu entdecken und auch ihn selbst, der mit autobiographischen Hinweisen sehr sparsam umging: „Wie soll man es auch machen, wie soll man an sich herankommen? Wir tauchen in diesen Schlund und bringen immer nur irgendein Bild mit. Denn man kann nicht zugleich der Mann sein, der in den Spiegel schaut, und der Spiegel.“ 
(ak)

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Literatur in Berlin: www.literarisches-berlin.de  © 2008 yuba edition / Brigitte Pross-Klappoth (Berlin)
 Fotos © B.Pross-Klappoth (wenn nicht anders angegeben)
 Stand: 17. Januar 2013